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Samstag, 29. April 2017

Gestern an der Lorze

Gestern an der Lorze: das Restaurant Höllgrotten.
Im Zug heimwärts spielten wir weiter.
Mein Ausflug gestern mit meinen Neffen, zwei Buben im Primarschulalter - was für ein Flop, was für ein Reinfall! Und gleichzeitig hatten wir jede Menge Spass, so dass der Tag als Ganzes doch in Zufriedenheit endete. Eigentlich wollte ich mit den Buben in Glattbrugg Kamelreiten gehen, doch bei dem Gehudel mussten wir das vergessen. Stattdessen fuhren wir in den Kanton Zug, um die Höllgrotten zu besichtigen. Seine Grotten seien komplett wetterfest, hatte mir der Mann am Telefon zwei Tage zuvor versichert. Und also stiegen wir ab ins Lorzetobel durch den schweren Matschschnee; im Zugerland hatte es geschneit wie blöd. Dann dies: Der Höhlenkiosk war verrammelt, kein Mensch zu sehen. Der Grund wurde uns schnell klar: Umgestürzte Bäume blockierten den kleinen Aufstieg zum Höhleneingang, die Sperrung war verständlich, es ging um die Sicherheit. Was mich aber wirklich ärgerte: Nirgendwo ein Schild. Und auch auf der Homepage kein Wort. Wieder einmal stellte ich fest: Viele touristische Einrichtungen haben das Internet als perfekte Übermittlerin für schnelle Nachrichten und Last-Minute-Botschaften nicht begriffen. Und Kommunizieren ist auch im Tourismus nicht jedermanns Ding.

So ging der Tag weiter: Wir zottelten ins nahe Restaurant Höllgrotten. Dort ass der eine Neffe zwei riesige Hotdogs und der andere Neffe einen riesigen Hotdog und drei riesige Kugeln Glace mit Rahm. Danach stapften wir durch 15 Zentimeter hohen Neuschnee hinauf zum Weiler Hinterburg und traten die Rückreise nach Zürich an. Wir shoppten in der Stadt ein wenig und hatten es im Migrosrestaurant lustig: Die zwei Buben brachten mir den Tschau-Sepp wieder bei, den ich das letzte Mal in der Kindheit gespielt hatte; auch lehrten sie mich Arschlöchle, ein ähnliches Kartenspiel. Wir unterhielten uns bestens, und am Schluss sagten die zwei mir tröstend, ich solle das mit der Höhle nicht so schlimm nehmen. Es sei doch ein lustiger Tag gewesen.

Freitag, 28. April 2017

Altes Freiburg


An der Rue d'or 5, in der Unterstadt, kann man Freiburgs älteste Hausfassade besichtigen; sie datiert aus dem 13. Jahrhundert. Eine archäologische Infotafel zeigt genau, welche Teile der Fassade tatsächlich so weit zurückreichen. Ein (kleiner) Grund mehr, ins Uechtland zu reisen.
Gelb die ältesten Teile der Fassade (linke Hausseite).

Donnerstag, 27. April 2017

Sennhauser blockt

Nein, das ist kein Kantonsarchäologe.
Stuckfigur Karls des Grossen
im Kloster St. Johann in Müstair.
(Wladislaw Sojka/ Wikicommons)
Schon irre. Hans Rudolf Sennhauser, ein Professor im Ruhestand, war zu seinen Aktivzeiten eine Koryphäe auf dem Gebiet mittelalterlicher Schweizer Kirchen und Klöster. Unzählige Ausgrabungen führte er im Auftrag durch, generierte und sammelte Tausende Dokumente zum St. Galler Klosterbezirk, dem Kloster St. Johann in Müstair und über 50 anderen Stätten, es sind Fotos, Pläne, wissenschaftliche Zeichnungen. Jetzt ist er 85 und denkt nicht daran, sein Archiv herauszugeben; stattdessen hat er vor längerer Zeit eine Stiftung lanciert, die es kontrolliert. Konkret lagert die Ware, berichtete die NZZ gestern, in Bad Zurzach in Sennhausers Riegelbau; sie sei, klagen Kantonsarchäologen, weder sachgerecht gelagert noch durch ein Inventar zugänglich. Zudem gebe es keinen angemessenen Schutz gegen Einbruch und Feuer. Nachdem Gespräche über mehrere Jahre nicht zu einer Einigung führten, haben einige Kantonsarchäologen nun gemeinsam bei der eidgenössischen Stiftungsaufsicht Beschwerde eingelegt. Andere Kantone beschreiten den Rechtsweg per Klage. Sennhauser selber nimmt in dem Artikel nicht Stellung.

Mittwoch, 26. April 2017

Intelligente Wandernahrung

Heute nur dies: Studentenfutter kennt jeder. Aber vielleicht müsste man mal die gesteigerte Version mit ins Gelände nehmen: Professorenfutter.

Dienstag, 25. April 2017

Weiler, Fall, Zirkus

Der Weg gibt einem immer etwas, bisweilen erweist er sich dann als besonders grosszügig. So war das am Samstag, als ich im Glarnerland in knapp 2 1/2 Stunden von der Station Luchsingen-Hätzingen via Luchsingen, Adlenbach, Hätzingen, Diesbach und Betschwanden nach Rüti ging - ich wurde reich beschenkt. Die Schwefelquelle von Luchsingen habe ich vorgestern schon behandelt; hier nun drei weitere Dinge, die mich begeisterten.
Luchsingen, Weiler Adlenbach.
Der Diesbachfall.
Die Zelte des Zirkus Mugg an der Linth in Betschwanden.
  1. Luchsingens geschützter Weiler Adlenbach ist herrlich. Ich hatte bis anhin gedacht, dass man im Glarnerland nach Elm reisen muss, wenn man alte Holzhäuser anschauen will. Adlenbach bietet einen ganzen Schübel Holzhäuser, viele aus dem 18. Jahrhundert, einige auch älter. Auf einer gepflästerten Strasse geht man hindurch und ist gebannt und hat immer die Schneekappe des Tödi vor Augen, wenn man südwärts läuft. Wer wissen will, wie das Glarnerland vor der Industrialisierung aussah - voilà.
  2. Bei Diesbach kommt aus der Kärpf-Gegend der Diesbachfall herabgeschossen; es gibt auch die Bezeichnung "Diesbachfälle", da es sich um eine gestufte Angelegenheit handelt. Eindrücklich, wie man den Fall zuerst hört und erst dann sieht, jedenfalls ging es mir so; ein irgendwie maschinelles Rattern in der steilen Waldflanke zeigte ihn an.
  3. Bei Betschwanden erblickte ich schon von weitem eine Serie von Zeltdachspitzen. Seit fünf Jahren haust dort die Zirkusfamilie Mugg. Es gibt Zauber- und Clownvorstellungen und Ferien-Veranstaltungen für Kinder, auch mieten Firmen die Anlage für interne Anlässe. Mittlerweile ist der Zirkus Mugg ein wichtiger Arbeitgeber im hinteren Glarnerland, dem es wirtschaftlich nicht besonders geht.

Montag, 24. April 2017

Gratis Trybol für die Landesregierung

Dieser Eintrag ist ein Beziehungsdelikt, jawohl. Jost auf der Maur war erstens mein Redaktionskollege damals beim Facts; freilich war er dort bereits der bekannte, preisgekrönte Reporter und ich einer der Neulinge, ein Literaturredaktor. Zweitens zog Jost irgendwann weiter und landete schliesslich bei der Schweizer Familie - wohin ich auch bald wechsle. Und drittens publiziert Jost im Echtzeit Verlag wie ich; die Verleger Wendelin Hess und Markus Schneider sind zwei alte Kollegen von uns beiden. Ja, da ist viel Nähe, auch wenn ich Jost seit Jahren eigentlich nur in irgendeinem Tamedia-Gang sehe. Kürzlich nun ging mir vom gemeinsamen Verlag Josts neues Buch zu, "Die Schweiz unter Tag". Es widmet sich hiesigen Tunnels, Kavernen, Schutzräumen, Bunkern und Stollen, die aneinandergereiht eine Röhre von Zürich bis Teheran ergäben; im Graben und Bohren sind wir Schweizer weltweit führend. Die Sammlung von Reportagen macht mir wieder einmal klar, was für ein herausragender Schreiber Jost ist. Ich empfehle sie wärmstens allen; man lernt so einiges über die Unter-Tag-Schweiz, geniesst die Sprache, die elegant, doch nie eitel ist, amüsiert sich bestens über die Art, wie Figuren und Orte präsentiert werden. Hier drei Faktenmüsterli aus dem Kapitel über den ersten Bundesratsbunker bei Amsteg, der im Zweiten Weltkrieg gebaut wurde:
  • Schlafzimmer gab es in drei Klassen: Dienstpersonal (mehrere Kajüten-Betten), Beamte (Zweierzimmer), Bundesrat (Einzelzimmer, mit gesponsertem Mundwasser Trybol).
  • Ein Experte warnte, dass die Stehlampen auf den Nachttischen in den Zimmern der Bundesräte alt, schlecht isoliert und daher lebensgefährlich seien; die Magistraten riskierten, an einem Stromschlag zu sterben. Die Lampen waren wie überhaupt ein Gutteil des Mobiliars, der Teppiche und des Geschirrs aus dem Hotel "Stern und Post" in Amsteg übernommen worden. Der zuständige Bundesrat hatte Steuergelder sparen wollen.
  • Witzige Personalie: Wachtmeister Fritz Reischer, erster Kavernenwart, bot aus freien Stücken an, im angrenzenden Tresorraum der Nationalbank neben dem Geld zu schlafen. Bald stellte sich heraus, dass seine Geliebte der Polizei bekannt war wegen Betrugs und Schmuckdiebstahls. Gegen Reischer gab es 18 Betreibungen, auch war er hochverschuldet. Und also war er wohl nicht der ideale Wachmann zur Sicherung von Währungsreserven. Man entliess ihn.
P.S. Morgen folgt der Eintrag über meine schöne Glarner Wanderung.

Sonntag, 23. April 2017

Beim balneum Luchsingense

Die Schwefelquelle von Luchsingen. Rechts die Tassen für jedermann.
Vorfreudig machendes Schild auf halbem Weg.
Von der Station Luchsingen-Hätzingen hinten im Glarner Grosstal zwischen Schwanden und Linthal geht man hinauf zur Talstation der Brunnenberg-Seilbahn und findet spätestens dort einen der braunen Wegweiser: "Schwefelquelle". Noch einmal eine Viertelstunde auf dem Bergweg, der in diesem Abschnitt eine zwar steile, aber bequeme und breite gekieste Waldpiste ist, dann ist man da. Zur Linken der Bösbächibach und zur Rechten ein Unterstand aus Holz mit Grillstelle sowie die Quelle, die übrigens  auch eine Heilquelle ist; das Wasser, das in der verschatteten Ecke aus dem mit einem Gitter verschlossenen Bergschlitz plätschert und faulig nach gekochten Eiern riecht, Schwefel eben - es enthält auch Glaubersalz. Schon 1542 wurde an diesem Ort gebadet, das ist urkundlich belegt, es gab ein kleines Badstübchen, das allerdings von einer Lawine weggefegt wurde; später badete man weiter unten. Es waren einfache Leute, die kamen, die hablichen Herren und Damen des Landes reisten nach Pfäfers oder auch Baden, um ihre Zipperlein zu kurieren. Im 19. Jahrhundert war Schluss mit dem "balneum Luchsingense", wie das Bad in den lateinischen Schriften hiess. Natürlich nahm ich einen kräftigen Schluck aus der Quelle, Gesundheit kann man immer brauchen; genau aus diesem Grund verzichtete ich auf die Benutzung der Tassen vor Ort und fing das Wasser mit der Hand. So war das gestern; was ich bei prachtvollem Wetter im Glarnerland sonst noch so erlebte - davon bald mehr.
Als ich zur Quelle stieg, schwebte vom Brunnenberg grad die Seilbahn nieder.