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Mittwoch, 20. September 2017

Exklusiv sterben


Es waren in Zürich-Stadelhofen einmal zwei prächtige Friedhöfe, beide waren sie um die Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet worden. Der eine ging dann allerdings schon bald wieder ein, er starb, sozusagen, musste dem Bau der Kantonsschule Hohe Promenade weichen. Den benachbarten Friedhof, gestaltet im englischen Stil, gibt es bis heute. Der Friedhof Hohe Promenade ist der einzige private Friedhof der Stadt Zürich, abgesehen von den jüdischen Friedhöfen. Ich wusste von seiner Existenz gar nichts, bis wir letzte Woche abends im Ausgang vorbeibummelten. Die meiste Zeit ist das Tor zum Friedhof, den ein Verein verwaltet, verschlossen; einfach mal durchspazieren geht also nicht.

Auf diesem Friedhof begraben ist Hans Konrad Escher von der Linth, Pionier der Linthsanierung Die ihm gewidmete Ausstellung in Schänis habe ich gestern erwähnt.

Dienstag, 19. September 2017

Ein Mann vieler Talente und Neigungen

Hans Konrad Escher um 1820, Kupferstich.
(Wikicommons/ A. Bouvier)
Hans Konrad Escher, 1767 in eine habliche Zürcher Fabrikantenfamilie geboren, war ein Mann vieler Talente und Neigungen - er war keiner, der sich auf dem Geldpolster ausruhte. Er reiste ausgiebig durch Europa, arbeitete im Geschäft des Vaters, brachte es als Politiker zu Bekanntheit, hielt aber auch Vorlesungen über Politik und Wirtschaft. Zudem war er leidenschaftlicher Geologe sowie ein grossartiger Zeichner von Gebirgsansichten. Sein Lebenswerk ist die Korrektion der Linth, die er massgeblich einleitete und anleitete; die zuvor versumpften Gebiete zwischen Walensee und Zürichsee wurden durch ihn und die zwei grossen Kanäle Escherkanal und Linthkanal zu wertvollem Kulturland. Postum - er starb 1823 - verlieh ihm der Kanton Zürich den erblichen Ehrentitel "von der Linth". Escher von der Linth: ein Pionier der modernen Schweiz, der hartnäckig den Nutzen der Allgemeinheit im Auge behielt und eine Aufgabe anpackte, die gleich vier Kantone betraf: St. Gallen, Glarus, Schwyz und Zürich. In Schänis ist Escher von der Linth derzeit und noch bis Mitte Oktober eine kleine und feine Ausstellung gewidmet, ich besuchte sie am Sonntag und genoss es, etwas mehr über den Mann und sein Lebenswerk zu erfahren.
Nach dem Besuch der Ausstellung spazierte ich von Schänis nach
Ziegelbrücke. Am Linthkanal.

Montag, 18. September 2017

"Die Freiheit war seine Braut"

Auf der Hülftenschanz. Meine Wandergspändli schienen von den
heroischen Inschriften nicht sonderlich beeindruckt.
Am Samstag gingen wir vom Bahnhof Frenkendorf-Füllinsdorf hinauf nach Frenkendorf, zogen zur Hülftenschanz, setzten bald über die Ergolz, machten einen Abstecher zu einer unterirdischen Wasserleitung aus der Römerzeit, kamen in die Römerstadt Augusta Raurica (Amphitheater, Theater, Tempel), erreichten danach den Rhein und folgten ihm via Schweizerhalle und den Hardwald bis zum Restaurant Waldhaus. Der Rest war ein Auslaufen, in 20 Minuten langten wir beim Endpunkt der Route an, der Tram-Endschleife Birsfelden, Hard. Die Wanderung dauerte knapp vier Stunden und bot immer neue Höhepunkte. Hier ein paar ausgewählte:
Mmm, Fisch.
  • Die Hülftenschanz. 1833 besiegte auf ihr das aufmüpfige Landvolk die Stadt. Damit war der Weg frei für die dauerhafte Etablierung des Kantons Basel-Landschaft. Eine Inschrift auf einem Obelisken erinnert an den in der Schlacht gefallenen Obergerichtsschreiber Heinrich Hug, er wurde als Toter zum ersten Ehrenbürger des jungen Kantons ernannt. "Die Freiheit war seine Braut, für sie ging er gerne in den Tod" stand da zu lesen. Oh Gott, was für ein Pathos.
  • An mehreren Stellen ist die römische Wasserleitung zugänglich, die unterirdisch über 6,5 Kilometer von Lausen nach Augusta Raurica verläuft. Wir besichtigten sie beim Standort Wölferhölzli in Füllinsdorf. Die Leitung verschaffte jedem der 20 000 Einwohnerinnen und Einwohner von Augusta Raurica 1300 Liter Wasser pro Tag. Heutige Schweizer brauchen pro Tag gut 160 Liter. So stand es auf der Tafel. 
  • Augusta Raurica, heute Augst BL, ist halt immer wieder toll. Mir gefiel an einem Ort, an dem heute gar nichts Antikes mehr zu sehen ist, ein Schild; es erklärte, dass an diesem Platz einst eine Einkaufsanlage stand, um einen Innenhof gruppierte Gebäude; im Innenhof waren die Waren für die Kauflustigen ausgelegt. Die Römer betrieben also auch schon Shopping Malls.
  • Ab dem Kraftwerk Augst-Wyhlen gingen wir eine gute Stunde auf einem herrlich schmalen Pfad direkt am und manchmal auch über dem Rhein, Naturboden im Wald mit immer wieder mal einem Fischerhäuschen.
  • Toll schliesslich die Ankunft beim Restaurant Waldhaus, Gemeinde Birsfelden. Es liegt wirklich im Wald und ist reizend altmodisch oder, in meinem Dialekt gesagt, altmödig. Ich hatte Fisch. Zu den Wundern der Wanderung gehörte, dass es just in dem Moment zu tröpfeln begann, als wir Platz nahmen.
    Naturweg am Rhein kurz nach dem Kraftwerk Augst-Wyhlen.

Sonntag, 17. September 2017

Das Haus fiel uns auf und gefiel uns


Gestern gingen wir bei gutem Wetter vom Bahnhof Frenkendorf-Füllinsdorf nach Birsfelden, Hard nah Basel. Das war abwechslungsreich - mehr zur Route morgen oder so. Besonders schön war das Stück von Augst via Schweizerhalle den Rhein entlang bis zum Auhafen, ein schmaler Uferpfad direkt am und über dem Wasser. Beim Auhafen aber mussten wir ins Hafen-Industrie-Gewerbe-Viertel abbiegen und ein paar hundert Meter auf dem Trottoir der vielbefahrenen Rheinfelderstrasse gehen. Dort stand ein Gebäude, das uns auffiel und uns gefiel: erdnahes Rot, nicht-rechtwinklige Formen, mir schien es halb von der Anthroposophen-Architektur inspiriert und halb von der Lehmbauweise in Mali und Niger oder auch New Mexico. Tatsächlich handelt es sich um die noch recht neue Muttenzer Trinkwasser-Aufbereitungsanlage Obere Hard. Ihr, gefertigt aus Spritzbeton, kommt die Aufgabe zu, das mit allen möglichen Giften und Substanzen belastete Grundwasser der Gegend unschädlich zu machen; dazu dient das Haus als Besucherzentrum etwa für Schulklassen. Dass es gut aussieht - überraschend, wenn man bedenkt, wie öd solche Anlagen anderswo im Land anmuten.

Samstag, 16. September 2017

Katoomba schlägt Schwyz

Nachtrag zur neuen Stoos-Standseilbahn, die am 17. Dezember startet. Blogleserin Blanca kommentierte meinen gestrigen Eintrag, wonach es sich um die steilste Standseilbahn Europas handeln werde, mit dem vorsichtig formulierten Zusatz: "...wenn nicht sogar der Welt." Stimmt aber eben nicht. Hier einige der steilsten Standseilbahnen der Welt samt der allersteilsten - sie verkehrt in Australien:

Ritombahn, Leventina (Tessin): 87,8 Prozent
Gelmerbahn, Berner Oberland: 106 Prozent
Neue Stoos-Bahn, Schwyz: 110 Prozent
Katoomba Scenic Railway, Australien: 128 Prozent

Die Katoomba Scenic Railway in den Blue Mountains westlich von Sydney ist ein Relikt des Bergbaus. Die zugehörige Kohlegrube stellte 1945 den Betrieb ein. Danach machte man aus der Bahn ein Touristenspektakel. Vor vier Jahren wurde sie aufwendig überholt und erneuert.
Touristen auf der Katoomba Scenic Railway vor gut 60 Jahren.
(Bild: www.scenicworld.com/ Wikicommons)

Freitag, 15. September 2017

Finissage im Schwyzerland

Gestern reiste ich zu einem Termin auf den Stoos, den Schwyzer Ferienort. Es dürfte meine letzte Fahrt mit der jetzigen Standseilbahn gewesen sein, eine Art persönliche Finissage. Kurz vor Weihnachten nämlich wird ein paar 100 Meter weiter westlich auf einem neu gebauten Trassee die neue Standseilbahn starten. Ich freue mich schon, sie dann bald zu erproben - sie soll die steilste Standseilbahn Europas sein.

Donnerstag, 14. September 2017

Rheintaler Trinkritual

Gestern musste ich berufshalber ins St. Galler Rheintal, nach Altstätten. Dort fotografierte ich vor dem Restaurant Schweizerhof diese Tafel. Sie brachte mich ins Grübeln. Naheliegend ist, dass der "Dämmerschoppen" so heisst, weil er in den frühen Abendstunden des beginnenden Herbstes stattfindet. Wobei ja auch diese Theorie passen könnte: Trinken die Teilnehmer des Dämmerschoppens sich subtil in die Bewusstlosigkeit?