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Sonntag, 19. Februar 2017

Spitze!

Gestern besuchten wir Schloss Grandson, eine der grössten Schweizer Festungen aus dem Mittelalter. In ihm untergebracht sind auch verschiedene Sammlungen, das Schloss ist ein vielgestaltiges Museum. Die Fotos samt denen der zugehörigen Wanderung am Neuenburgersee muss ich heute genauer sichten, ich kam gestern erst um halb neun Uhr abends nach Hause. Aber einen Schnappschuss möchte ich vorgezogen hier schon zeigen. Er stammt aus dem Saal mit den Ritterrüstungen des 15. Jahrhunderts. Die eisernen Designschuhe taten es mir dort an. Allerdings ist gleichzeitig festzuhalten: Ein Pferd wäre man unter diesem Ritter ungern gewesen.

Samstag, 18. Februar 2017

Als die Leute in die Bänke bissen

Die Flüsskapelle ein gutes Stück oberhalb Nottwil ist gar nicht mal so alt, sie stammt von 1947; knapp noch steht sie auf Nottwiler Boden, derweil die beiden uralten Linden daneben bereits zu Ruswil gehören. Schon im 17. Jahrhundert fand sich an diesem mit Aussicht gesegneten Platz eine Kapelle; während deren Nachfolgerin heutzutage vor allem Hochzeitspaare anzieht, kamen damals in erster Linie Kranke. Zahnkranke, genauer gesagt. Ich dachte eigentlich, "Flüss" habe mit irgendeinem Bach in der Nähe zu tun. Dabei rührt der Name vom "Zahnfluss", wie man damals das Krankheitsbild des eiternden Zahnes nannte. Offenbar war es in vergangenen Jahrhunderten Sitte, dass Pilger mit Zahnweh in die Holzbänke bissen. Oder sie rissen oder schnitten ein bisschen vom Holz ab, um es zu kauen. Gut, leben wir in einer Zeit, da Zahnärzte so ziemlich jedes Problem in den Griff kriegen. Und die Spritze gleich Linderung bringt.

Freitag, 17. Februar 2017

Howard wird gerade gegessen


"Unsere Forellen stammen aus der Forellenzucht Orishof in Liestal und sie schwimmen bei uns bis zu Ihrer Bestellung im frischen Wasser." So steht es auf der Speisekarte des Rössli in Zeglingen BL. Als ich den Satz las, dachte ich an die Komiker von "Monty Python" und die Stelle mit den Fischen im Restaurant-Aquarium. "Oh, schaut mal, Howard wird gerade gegessen", sagt da der eine Fisch zu den anderen Fischen über jenen Mit-Fisch, der eben im Lokal dem Gast serviert wird.

Donnerstag, 16. Februar 2017

30 Meter Caminada

Der Turm steht im coupierten Zoogelände fast auf dem höchsten Punkt.
In dem einen Treppenhaus.
In der SonntagsZeitung las ich kürzlich, dass es im Natur- und Tierpark Goldau einen neuen Aussichtsturm gibt, entworfen vom Bündner Architekten Gion A. Caminada. So etwas muss man sehen, und also reiste ich gestern hin und schaute mir den Turm an, der mittlerweile seit 2 1/2 Monaten offen ist. Die erste Stunde des Zoobesuchs war nicht optimal, es hatte noch dichten Nebel, und die meisten Tierli wollten sich nicht zeigen. Dann aber kam gegen elf Uhr die Sonne, ein paar Bewohner des Parks erschienen widerwillig im Freien, und vor allem konnte ich nun im weitläufigen Areal den Turm ansteuern und besteigen. Er besteht aus zwei unten separierten Teilen, die gegen oben zueinander laufen und sich vereinigen, das sieht von vorn aus wie die Beine eines gehenden Menschen. 30 Meter hoch ist er, besteht aus 117 Tonnen Holz, Aussenfassade Weisstannenholz, Innenfassade Fichtenholz. Und natürlich sieht man von oben grandios die Gegend samt Lauerzersee, den Mythen, Rigi und Rossberg. Gut, dass der blöde Nebel weggegangen ist, ich wurde schon grummelig!
Also ich mag ihn.

Mittwoch, 15. Februar 2017

Theaterwandern

Die Frauentruppe paradiert.
Das Bühnenbild von Barbara Steiner.
Heute würde ich gerne ein Theatererlebnis erwähnen - und hey, es passt in diesen Blog! Denn es wird darin praktisch ohne Unterlass gegangen. "High - du weisst wovon" von René Pollesch, eine Uraufführung im Schiffbau des Zürcher Schauspielhauses, kann den Zuschauer ganz schön verwirren. Und ihm eine Halskehre bescheren. Die Bühne ist ein langes Oval nach dem Vorbild des altrömischen Circus Maximus, das Publikum sitzt auf langgezogenen Holzbänken in der Mitte, ist also vom Rund umgeben; jeder sieht nur die eine Hälfte des Geschehens, die andere spielt sich in seinem Rücken ab, wobei gleichzeitig ein Kameramann das Ganze filmt, das in Echtzeit auf Leinwände projiziert wird. Die Schauspielerschaft teilt sich auf in vier Dauerquassler und eine Schar junger Frauen, die als eine Art antiker Chor alle ihre Sätze gemeinsam sprechen und dabei unablässig vorwärtsziehen; die Frauen tragen am Anfang eine Art Sträflingsmontur, später wechseln sie auf lichtere, frühlingshafte Ware. Die Dauerquassler erzählen kleine Geschichten, sie philosophieren und schwätzen, sie monologisieren oder streiten sich und treten immer wieder in ein hitziges Hin und Her mit dem Chor. Die Bedeutung all der lockeren bis rätselhaften Aussagen muss sich jeder selber suchen. Ich genoss das Schauspiel ausserordentlich, es produzierte mir automatisch Sinn, ich dachte an Fellini (ein Gitterwagen wie ein Tierkäfig wurde einmal hereingerollt) und an Pasolini, an die biegsamen und lichten Frauengestalten Hodlers, an Peter Handkes frühe Faszination mit dem Sprechakt, ich fand die Sache dichterisch und intellektuell zugleich. Und die Aufführung war unglaublich dynamisch, weil - eben - sämtliche Akteure permanent die Runde machten, auftauchten, verschwanden, wieder auftauchten. Was für ein inspirierender Abend!

Dienstag, 14. Februar 2017

Ist das nicht irre?

Sieht gut aus. Aber was ist drin?
Im Speisewagen der Deutschen Bahn, in dem unsereins immer wieder mal reist, kürzlich etwa von Zürich nach Chur, findet sich auf dem Tisch nicht nur die Menükarte, sondern auch eine mittelformatige weisse Broschüre von 23 Seiten; sie erinnert in der Aufmachung an die Gebrauchsanweisung für einen Geschirrspüler oder so. Die Broschüre hat den Titel "Zutaten und Allergene des aktuellen Speiseangebotes" und listet bis zum einzelnen Konservierungsmittel und Getreidekorn und Säuerungsmittel auf, was die angebotenen Gerichte enthalten. Hübsch die Einführung in Behördendeutsch, Kostprobe:
"Einer Auslobung als vegan oder vegetarisch stehen unbeabsichtigte Einträge von Erzeugnissen, die nicht den jeweiligen Anforderungen des Absatzes 1 oder 2 entsprechen, nicht entgegen, wenn und soweit diese auf allen Produktions-, Verarbeitungs- und Vertriebsstufen trotz geeigneter Vorkehrungen bei Einhaltung der guten Herstellungspraxis technisch unvermeidbar sind."
Ich glaube, das sage ich das nächste Mal, wenn jemand zum Essen zu mir kommt und ich für ihn oder sie vegetarisch koche. Im Übrigen bestätigen Umfang, Inhalt, Ton der Broschüre die These, dass es um das Essen heutzutage manchmal wahnhaft zugeht.

Montag, 13. Februar 2017

Zwischen Weiss und Grün

Winter zwischen Etzenerlen und Ruswil.
Frühling einige Zeit später am Südhang über Ruswil.
Im Schächbelerwald nach Ruswil.
Der Samstag war wundervoll. Wir wanderten von Nottwil (giftkalt, dichter Nebel) via Huprächtigen, die Kapelle Flüss (fahle Sonnenscheibe im grauen Himmel), Etzenerlen  (gefrorener Schnee) und Schwerzi (Sonne, apere Wiesen) nach Ruswil. Dort assen wir im Rössli, einem geschichtsträchtigen Ort. Just in diesem Lokal nämlich trafen sich 1840 katholisch-konservative Kräfte und formulierten die Ruswiler Erklärung, aus der letzten Endes die heutige CVP entstand. Treibende Kraft war Josef Leu von Ebersol, der fünf Jahre später nachts im Bett im Schlaf durch einen Herzschuss getötet wurde, ein Politmord. Trotz der Wildheit der historischen Geschehnisse assen wir in unserer friedlichen Gegenwart genüsslich und unbeschwert. Am Nachmittag ging es, nunmehr in traumhaftem Frühlingslicht, hinüber nach Werthenstein. Indem wir dort noch das alte Kloster auf seinem Felssporn besuchten, waren wir doch fast vier Stunden gewandert (520 Meter aufwärts, 470 abwärts). Wir begossen das mit einem Bier im Gasthaus zur Emme gleich bei der Station Werthenstein.