Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Dienstag, 31. Oktober 2017

Bündner Schneekompetenz

Skigebiet Parsenn, Schneekanonengebiet.
Das Foto kam per Mail mit der Medienmitteilung.
Gestern erreichte mich von den Davos-Klosters-Touristikern die Meldung, dass man dort als erstes Nichtgletscher-Skigebiet bereits nächstes Weekend die Skisaison eröffnet. Ein Teil der Bahnen und Pisten wird also schon im Frühestnovember offen sein. Das heisst: massiver Schneekanoneneinsatz. Ins Auge stach mir beim Lesen der Medienmitteilung folgender Satz: "Am kommenden Wochenende beweist Davos Klosters erneut seine Schneekompetenz."

Montag, 30. Oktober 2017

Die Feuerräder von Matt

Das Wappen von Matt GL.
(Bild: Ambroix/ Wikicommons)
Ortswappen sprechen zu uns, sie erzählen von entschwundenen Adelsgeschlechtern, breiten örtliche Legenden aus, weisen auf geografische Gegebenheiten oder transportieren Historie. Dasjenige von Matt im Sernftal, Kanton Glarus, berichtet von einem dörflichen Brauch. Beim Schybefleuge werden zur Zeit der Fasnacht glühende Holzscheiben des Nachts durch das Dunkel geschleudert. Sieht gut aus, das Wappen.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Grenzwertig

Wiechs, Deutschland, vor dem Rathaus: Grenzabtausch-Gedenktafel.
GB auf den Grenzsteinen steht für "Grossherzogtum Baden".
Das südbadische Dorf Wiechs am Randen ist auf drei Seiten von Schweizer Territorium umschlossen, nur gegen Norden hängt es mit Deutschland zusammen. Wer es auf der Karte sucht: Bargen SH anpeilen, Wiechs liegt drei Kilometer östlich! Soweit die Geografie. Als ich diese Woche in Wiechs durchkam, fielen mir vor dem Rathaus mehrere Grenzsteine auf, die dort quasi unkoordiniert herumstanden. Ein Schild erläuterte, dass es sich um überflüssig gewordene Grenzmarkierungen handle, die man zur Erinnerung aufgestellt habe. Womit wir beim Verenahof wären. Diese Gruppe von drei Häusern war lange eine Exklave von Wiechs, von diesem durch einen 300-Meter-Streifen schaffhausisches Gebiet getrennt. Lustigerweise waren die paar Leute von Wiechs in der Exklave reformiert, während alle anderen Leute von Wiechs katholisch waren - da zeigte sich wohl der Einfluss der reformierten Schaffhauser. 1964 kam es zu einem Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Deutschland. Der Verenahof kam dadurch in Schweizer Besitz, die Schweiz revanchierte sich mit Boden an einem anderen Ort. Seither, genauer gesagt seit dem Inkrafttreten der Regelung 1967, gehört der Verenahof zu Büttenhardt SH. Schön grenzwertig, diese Geschichte, oder?
Eine Karte von 1798 mit der Exklave Verenahof. Die Grafschaft Tengen
war damals österreichisch, später  wurde Tengen samt Verenahof deutsch.
Heute gehört der Verenahof zur Schaffhauser Gemeinde Büttenhardt.
(Bild: ReinerausH/ Wikicommons)

Samstag, 28. Oktober 2017

Mutterzieh

Also das Gemeindewappen
von Avenches scheint mir
politisch eher unkorrekt.
(Wikicommons)
Donatyre im Kanton Waadt ist seit längerem eingemeindet und Teil von Avenches. Mir gefällt sein deutscher, leider nicht mehr gebräuchlicher Name: Mutterzieh. Und à propos: Avenches hiess auf Deutsch einst Wiflisburg. Allen ein schönes Wochenende.

Freitag, 27. Oktober 2017

Das Guggershörnli der Schaffhauser

Am Mittwoch eine dreistündige Wanderung, die zu einem Drittel im Schaffhausischen und zu zwei Dritteln in Deutschland spielte. Die Route: Merishausen, Im Kerr (Bus) - Chörblitobel - Gmaafeld - Cholrüti - Jakobsfelsen - Cholrüti - Verenafohren, Windturbine 1 - Windturbine 2 - Rütte - Wiechs, Kirche - Harzen - Hebsäcker - Schenebüel - Bargen, Bus (399 Meter auf-, 316 abwärts). Drei Dinge, die ich entdeckte, möchte ich zeigen.
Der Jakobsfelsen steht an der Kante des Steilwaldes über Merishausen. Er ist
sozusagen das Guggershörnli der Schaffhauser mit seiner Treppenleiter und
der befestigten Plattform. In meinem Blog kam er einmal vor, hier der Link.
Wenig später war ich auf deutschem Gebiet. Zwei riesige Windturbinen
markierten die Hochfläche über Wiechs. Was mich schockierte: Wieviel
Waldfläche für diese "ökologischen" Installationen gerodet werden musste.
Die Servicestrasse schien mir ebenfalls, zum Teil wenigstens, neu angelegt.
Ein herrlicher Moment der Wanderung: Austritt aus dem Wald, unter mir
zeigte sich die markant gelbe Herz-Jesu-Kirche von Wiechs samt dem Dorf.
Hinten einer der Vulkankegel des Hegau; welcher es ist, weiss ich nicht.

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Pregenzer pretter

Gestern bloggte ich über die 12 Zähringerstädte, zählte sie auf und fühlte mich sehr schlau. Bis Freund Stephan auf Facebook, wo der Blogeintrag jeweils gelinkt ist, eine 13. Zähringerstadt nannte: Haslach im Kinzigtal. Nie gehört, stimmt aber. Ich will mir Mühe geben, bald mal an einem freien Tag ein wenig nachzuforschen, wie das mit den Zähringerstädten ist; würde mich nicht wundern, wenn noch eine 14. auftauchte (Offenburg?). Ich nehme an, da dürfte ein zweiter Eintrag folgen.

Seit 1596 wirten sie im "Gemeindehaus" in Merishausen SH.
Meine Wanderung führte mich gestern in den Reiat, ins Grenzgebiet Kanton Schaffhausen - Südbaden. Ich möchte darüber morgen berichten und heute vorgezogen bloss Frust und Lust des Tages erwähnen. Zuerst zum Frust. Wenn die S9 aus Zürich in Schaffhausen mit drei Minuten Verspätung um 8 Uhr 37 eintrifft, darf man doch wohl erwarten, dass der Bus mit Abfahrt 8 Uhr 37 Richtung Bargen ein Minüteli oder so wartet. Tat er nicht, der Fahrer fuhr punktgenau ab. "Sture Bock", dachte ich und war so hässig, dass ich, statt 59 Minuten auf den nächsten Bus zu warten, ein Taxi zu meinem Startpunkt in Merishausen nahm. 30 Franken pauschal, der Fahrer war lustig, mich reute es nicht, Zeit ist Geld und Geld ist Zeit. Nun zur Lust. Am Schluss der Wanderung in Bargen gab es keine offene Beiz. Ich nahm den Bus nach Merishausen und zmittagte im Gemeindehaus. So heisst ein Restaurant, das erstens sehr, sehr gut und preiswert kocht (ich hatte Suppe, Salat, Schweinehalsbraten mit Kartoffelgratin und Gemüse für 19 Franken, alles grossartig). Und zweitens ist dieses Restaurant schon über 400 Jahre ein Restaurant. Die Treppengiebel signalisieren draussen, dass es sich um ein historisches Haus handelt. Und die Gaststube mit der Eichenstütze - diese stammt aus der Bauzeit - steht unter Denkmalschutz. Holz für das Restaurant kam übrigens aus dem Vorarlbergischen, ein Dokument von damals erwähnt "zwei Fuder Pregenzer pretter". Ich empfehle die Einkehr in dem herrlichen Lokal allen.

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Neuenburg am Rhein...

Freiburg. Das im Uechtland.
Das Uechtland, französisch "La Nuithonie", erstreckt sich von Freiburg nach Bern, laut einer weniger gängigen Definition gehört auch Solothurn zum Uechtland. Man vermutet einen keltischen Ursprung des Namens, mehr kann die Wissenschaft nicht sagen. Überlebt hat die etwas kryptische Ortsbezeichnung als Namenszusatz zu unserem Freiburg: "Freiburg im Uechtland" - so kann man dieses vom deutschen Freiburg im Breisgau unterscheiden. Wiederum haben die beiden Freiburg aber etwas gemeinsam. Sie sind beide Zähringerstädte, wurden also von den Zähringern gegründet.

Kann jemand alle 12 Zähringerstädte aufzählen?  Ich kam bloss auf 7. Hier die vollständige Liste.

Bern
Bräunlingen
Burgdorf
Freiburg im Breisgau
Freiburg im Uechtland
Murten
Neuenburg am Rhein
Rheinfelden
St. Peter im Schwarzwald
Thun
Villingen-Schwenningen (Villingen)
Weilheim an der Teck

Dienstag, 24. Oktober 2017

Abschied von der kleinen Gelben

Lange fährt sie nicht mehr.
Die Seebodenalp - das ist eine weite Terrasse auf halber Höhe zwischen Küssnacht und Rigi im Kanton Schwyz. Eine hübsche kleine gelbe alte Luftseilbahn fährt von Küssnacht hinauf. Aber nur noch bis und mit 5. November. Dann wird sie aus dem Verkehr gezogen, die Konzession läuft ab, eine Erneuerung lohnt sich nicht. Das Nachfolgemodell soll im Juni 2018 starten; statt wie bisher 80 können 100 Personen pro Stunde transportiert werden.

Montag, 23. Oktober 2017

Warten auf den Bus

Vor drei Wochen berichtete ich von Teo, einem Klappsitz, der im Kanton Zürich an einigen Bushaltestellen provisorisch installiert ist. Mein Studienfreund Kurt schickte mir darauf Fotos von seinen zwei Wohnorten; beide zeigen sie Bus-Wartehäuschen. Das eine steht oberhalb von Brienz im Kanton Bern. Und das andere in Homt Souk auf der Insel Djerba in Tunesien.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Schöne Glarnerei (II)

Gestern glarnerte ich schon wieder. Freilich startete ich diesmal nicht im Tal der Linth, sondern des Sernf; Kleintal also statt wie am Mittwoch Grosstal. Der Anfang war brutal, von Engi stieg ich mehr oder weniger in der Falllinie die steile Flanke hinauf zur Altstafelrus. Der Höhenweg hernach war vergleichsweise ein Spaziergang. Er führte mich - bei grossartigen Weit- und Tiefblicken - hinüber zu den Weissenbergen. Dort tat ich zwei Dinge nicht, die ich des öftern tue. Weder kehrte ich ein noch nahm ich die Seilbahn talwärts. Stattdessen wählte ich den Fussweg hinab nach Matt; er war so grausam coupiert wie der Weg am Morgen. In Matt stellte ich fest: knapp 3 1/2 Stunden gelaufen, 705 Meter auf- und 675 abwärts. Das klingt nicht nach viel. Aber die Route hatte es in sich gehabt, ich war so geschlaucht wie glücklich. Und jetzt würde ich am liebsten gleich wieder glarnern. Wer weiss.
Traumbänkli einige Zeit vor den Weissenbergen. Unten das Tal des Sernf.
Komfortable Moorpassage auf dem Altmannberg einige Zeit zuvor.
Oha, es geht abwärts: das letzte Stück vor Matt. Hinten das Chrauchtal.
Matt kam in Sicht, und gleichzeitig zeigte sich die Sonne.
Matt: die Seilbahn, die ich nicht nahm.

Samstag, 21. Oktober 2017

Ich sah kein Wisent

Wiesendangens Wappen. Es zeigt
kein Wisent-, sondern ein
Steinbockgehörn. (Wikicommons)
Kürzlich weilte ich in Wiesendangen ZH und war enttäuscht, weil ich kein Wisent sah, obwohl ein solches im Ortsnamen steckt; immerhin, das kompensierte den Mangel ein wenig, erblickte ich in Wiesendangen, dessen hinterer Namensteil mit "Wang" gleich "Halde" zu deuten ist, das Restaurant Wisent - schön, dass es noch Restaurants mit einem historischen Bewusstsein gibt.

Freitag, 20. Oktober 2017

Weltrekord in Walenstadt

Riesenpbroblem: Steinschlag, hier in Deutschland.
(Bild: Xocolatl/ Wikicommons)
Montag dieser Woche: Bei Walenstadt versammeln sich in einem stillgelegten Steinbruch rund 400 Fachleute aus 42 Ländern. Sie erleben einen Weltrekord. Ein 25-Tonnen-Felsblock wird mit einem Kran hochgehievt, wird dann ausgeklinkt und bringt es auf eine Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometern, bis er nach 42 Metern Fall auf ein Steinschlag-Schutznetz trifft. Das Netz hält dem Block stand und stoppt diesen sicher. Eingeladen zu dem Test hat die Firma Geobrugg AG aus Romanshorn, die Sicherheitsnetze herstellt. Ihre neueste Entwicklung soll im November einem letzten Test unterzogen, alsbald zertifiziert und in Serie hergestellt werden - Steinschlag in den Bergen nimmt zu, das Bedürfnis nach solchen Installationen wächst. Gelesen habe ich das alles am Mittwoch in der "Südostschweiz".

P.S. Interessante Firma, diese Geobrugg. Was die dort alles herstellen! Man schaue sich die Homepage an.

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Der Hoodie-Wanderer

Endlich oben! Die Orenplatte, 1377 Meter, ist erreicht. Gleich gibts Aussicht!
Einige Zeit zuvor: Blick vom Boden zum Brunnenberg.
Klein und braun unter der Bildmitte die Seilbahn-Bergstation.
3 1/2 Stunden gewandert, 880 Meter auf- und 200 abgestiegen - das sind die Zahlen zu meiner Glarner Wanderung von gestern. Sie fing mit einem Fehler an, der wiederum auch sein Gutes hatte, wie sich am Schluss herausstellte: Ich fuhr viel zu früh los, erst in Ziegelbrücke wurde es langsam hell. Kurz nach acht Uhr war ich am Bahnhof Luchsingen-Hätzingen und geriet in eine grässliche Morgenkälte. Das Tal der Linth lag in diesem Abschnitt noch im Schatten, ich erfror fast in meinem dünnen Jäckli und zog als erstes die Pelerine über den Kopf, war also im Hoodie-Look unterwegs. Aber es wurde bald besser, man heizt schnell auf beim Wandern. Mein Rot-Weiss-Pfad via Bränd zur Orenplatte durch den steilen Buchenwald wärmte mich nachhaltig. Auf der Orenplatte genoss ich die Sonne und das Rundpanorama mit dem Gros der Glarner Berge samt dem Tödi. Der Rest war Spazieren: vorbei an jungen Männern, die in einer sumpfigen Stelle einen Bretterweg neu bauten, erreichte ich schnell den Rand von Braunwald; die Wegmacher waren übrigens meine ersten Menschen, die ich unterwegs traf. Weiter unten im Dorf Braunwald freilich kamen mir Scharen von Wanderern entgegen, und auch die von unten eintreffende Standseilbahn bei der Station war übervoll. Und so hatte meine so früh begonnene Unternehmung sehr wohl ihr Gutes: Ich ging, als die anderen kamen. Übrigens: Dies ist eine wunderbare Route mit viel Tiefblick und gekonnt in die Bergflanke gelegten Stegen und Wegen, an einer Stelle hängt der Fels charmant über. Jederzeit würde ich die Route wiedermachen, wenn da nicht noch so viele andere auf meiner Wunschliste stünden.
Zwischen Orenplatte und Braunwald: Junge Männer erneuern einen Bretterweg.

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Etwas Dunkles zu Klaus

Die Baltschiederklause. (Bild: Alex
Saunier, Camptocamp.org/ Wikic.)
Ich frage mich gerade, warum die Baltschiederklause, über die ich kürzlich bloggte - warum diese erhaben gelegene Walliser SAC-Hütte, in deren Namen der Stifter Julius Klaus aus Uster verewigt ist, auf ihrer Homepage mit keinem Wort auf Klaus eingeht. Liegt es daran, dass besagter Klaus, 1849 bis 1920, von Beruf Maschineningenieur und ein reicher Fabrikant, Rassenhygieniker war, was man hier nachlesen kann. Die Nazis leiteten aus dieser Lehre später ihre Art von Rassendenken ab, zu dem es gehörte, bestimmte Menschengruppen als minderwertig zu taxieren, zu isolieren und zu töten.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Reisen bildet

Denim, das ist der blaugefärbte Baumwollstoff, aus dem die Jeans sind. Was mir bisher nicht bekannt war: Das Wort leitet sich ab von einem Stoff, der im französischen Nîmes gefertigt wurde, Serge de Nîmes. Gestern kam ich in Nîmes durch, las nach, was es zu der Stadt zu wissen gibt, entdeckte die Denim-Etymologie - ja, Reisen bildet. Es liefert Wissensstoff.

Montag, 16. Oktober 2017

Die kleine Wasserwanderung

Heute um 7.19 Uhr verlasse ich Béziers. Der TGV wird mich nach Dijon tragen, dort habe ich fast zweieinhalb Stunden Aufenthalt. Dann geht es heim. Gestern war im Languedoc, wo ich für eine Reportage war, Zeit für ein wenig Tourismus. Ich wanderte ein paar Kilometer den Canal du Midi entlang, der von Toulouse über 240 Kilometer nach Sète am Mittelmeer führt. Ihn gibt es bald 350 Jahre, immer wurde an ihm gebaut und gebastelt, und während er einst eine wirtschaftlich wichtige Wasserstrasse war, die via Garonne und später einen Garonnekanal zum Atlantik führte, handelt es sich heutzutage um eine bloss noch touristisch relevante Einrichtung: Man sieht auf dem Kanal Freizeitschiffer noch und noch, es gibt schwimmende Hotels und immer wieder mal ein Schleusen-Restaurant. Eine Woche den Kanal entlang zu wandern: Das wäre denkbar, ich will die Idee evaluieren. Aber zuerst wird jetzt heimgereist. Zu den Fotos: Sie spielen am Canal du Midi in der Gegend von Béziers und Villeneuve-les-Béziers.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Baselbieter Wiederauferstehung

Lauschig, doch schon einige Zeit zu:
der Predigerhof auf dem Bruderholz.
In die kilometerweit sich ziehende Hochfläche des Bruderholzes teilen sich die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft, der Name leitet sich offenbar davon ab, dass einst fromme Eremiten sich hier niederliessen. Das Gelände ist beliebt, Städter und Agglobewohner joggen, spazieren, velölen, sie ergötzen sich an der Weite und freuen sich am Fernblick. Mitten drin aber liegt auf Reinacher Gelände der Predigerhof, eine Ausflugswirtschaft, in der einzukehren über Jahrzehnte ein Sonntagsritual war. Bis sie vor zwei Jahren schloss. Das Wirtepaar war das Wirten müde und litt zudem unter einer Baustelle. Seither empfinden Bruderholz-Besucher rundum das Gefühl eines intensiven Verlustes. Doch gibt es nun Hoffnung: Nächstes Jahr dürfte das Restaurant für alle wieder öffnen - unter neuer Führung und in Kombination mit einem Schau- und Lehrgarten.
Freizeitterrain: Velofahrerin auf dem Bruderholz.

Samstag, 14. Oktober 2017

Ich hatte das Mittelmeer schon fast vergessen

Der Pont Vieux in Béziers. (Leon Petrosyan/ Wikicommons)
Der heutige Blogeintrag kommt aus Béziers in Südfrankreich. Die Zugreise von Zürich via Paris war schön, vor allem der Schluss: wie der TGV bei Sète das Mittelmeer erreichte, das ich schon fast vergessen hatte nach all den Jahren, und ihm folgte bis Agde, um dann in kurzer Fahrt landeinwärts sein und mein Ziel zu erreichen. Béziers ist mir vor allem aus der Geschichte ein Begriff, es ist der Ort eines schauderhaften Gemetzels. Die Stadt war eines der Zentren der Katharer-Bewegung in Okzitanien; die Katharer oder Albigenser waren eine religiöse Bewegung, die der katholischen Kirche zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert eine eigene Theologie entgegenschleuderte. Die Kirche vernichtete die Katharer dann in brutalen Kriegen und gar einem eigenen Kreuzzug. Am 22. Juli 1209 kam es in Béziers zum Massaker, 20 000 Menschen sollen durch die Kreuzfahrer umgebracht worden sein. Berühmt ist der Ausspruch des päpstlichen Gesandten, der den Kreuzfahrern sagte, wie sie mit den Stadtbewohnern verfahren sollten: "Tötet sie alle, Gott wird die Seinigen schon erkennen."

Freitag, 13. Oktober 2017

Okzitanien, ich komme

Mein Reiseziel: Okzitanien.
(Screenshot Wikipedia)
Nach der Tösstal-Wanderung vom Mittwoch verspüre ich ein starkes Sehnen nach mehr Hügeln, Wald, Laub, Herbstdunst in der Luft. Geht aber nicht, vorläufig, denn heute reise ich berufeshalber für vier Tage in den Süden Frankreichs; erst Mitte nächste Woche werde ich wieder zum Wandern kommen. A propos Frankreich, kann mir jemand die Regionen des französischen Festlandes aufzählen? Ich musste das nachschlagen - hier sind sie:
  • Île de France
  • Auvergne-Rhône-Alpes
  • Nouvelle-Aquitaine
  • Hauts-de-France
  • Provence-Alpes-Côte d'Azur
  • Bretagne
  • Centre-Val de Loire
  • Pays de la Loire
  • Grand Est
  • Normandie
  • Bourgogne-Franche-Comté
  • Okzitanien
Ich gehe davon aus, dass ich in den nächsten Tagen problemlos bloggen kann.  Sollte es mal nicht klappen, bitte ich um Nachsicht.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Rausch an der Töss

Als ich gestern morgen in Fischenthal loszog, war ein Schallen und Hallen in der Landschaft - Alpabzug, talfüllende Kuhglockenmusik. Ich hielt hinauf zum Hof Tannen und hinüber zur Bruederegg, stieg in der Direttissima auf zum Hüttchopf, wechselte zur nahen Alp Scheidegg und stieg via Wolfsgrueb, das Sagenraintobel und zuletzt den Plättliweg ab nach Wald. Das dauerte vier Stunden und war einigermassen anstrengend, doch wurde die Strapaze bei weitem kompensiert durch den Fernblick, das flach einfallende Licht, die Wärme der Sonne, die man in dieser Jahreszeit nimmt wie ein Geschenk. Und die Luft roch nach Rauch, nach Pilzen, nach dem gefallenen Laub. Dies war keine Wanderung, das war ein Herbstrausch.

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Ein Obwaldner im Kanton Jura


In der zweiten Hälfte des Jahres 1944 rücken die Alliierten durch Frankreich vor Richtung Deutschland. Auch das Dorf Delle gerät in die Kämpfe, wird mehrmals beschossen und bombardiert, Menschen sterben. Zwei Kilometer weiter, im schweizerischen Boncourt, fürchten die Leute um ihr Leben. Drei Jahre später, als der Krieg vorüber ist, ist in Boncourt das Gefühl der Dankbarkeit, verschont worden zu sein, immer noch da. Und so errichtet man dort ein riesiges Denkmal, eine Statue des Niklaus von Flüe, des Schutzpatrons der Schweiz, der just 1947 vom Papst heiliggesprochen wird. Interessant, dieses Auftauchen eines Obwaldners in der Ajoie - ich hätte an dieser Stelle am Waldrand über dem Dorf keinen Urschweizer erwartet.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Der Bierkönig

Darum gehts hier heute.
Es gibt international besehen mehrere Bier-Brauereien, die "Gambrinus" heissen, und in der Schweiz tragen gut zehn Restaurants diesen Namen. An einem, dem "Gambrinus" in Kaisten im Fricktal, kam ich kürzlich vorbei und fragte mich: Woher stammt eigentlich das Wort, und was bedeutet es? Nun, bei Gambrinus handelt es sich sozusagen um das frühneuzeitliche Pendant zu Bacchus, dem Wein-und-Trink-Gott der alten Römer. Gambrinus, der im 16. Jahrhundert erstmals in Büchern auftaucht, steht allerdings nicht für Wein, sondern für Bier. Er ist ein Germane, kein Römer.

Montag, 9. Oktober 2017

Vogesensicht

Der Turm auf dem Mont Renaud, 506 Meter über Meer. 
Holzhexe im Wald nah Boncourt.
Herrlich war der Samstag in der Ajoie mit leichten Noten von Nebel noch in der Luft, als ich in Boncourt startete. Bald wirkte die Sonne und trug Licht in die Landschaft. Knapp vier Stunden dauerte meine Wanderung via Montignez und Sur le Mont nach Pruntrut, es war ein unbeschwertes Gehen, andere Menschen sah ich ausserhalb der Dörfer nicht abgesehen von einem Trupp Jäger und einem entlaufenen Hündli, das am liebsten mit mir mitgekommen wäre. Höhepunkte? Jede Minute war einer. Aber sicher ist der Turm auf dem Mont Renaud 40 Gehminuten von Boncourt zu nennen, von dem man weit nach Frankreich sieht; insbesondere der bläuliche Kamm der Vogesen macht Eindruck. Ajoie: eine gute Sache - der Hunger auf mehr Wanderungen um Pruntrut ist nun geweckt.

Sonntag, 8. Oktober 2017

Fischchnuschperli nach Ajoie-Art

Man sieht es an den chrälleli-artigen Gräten, die herausragen: Das sind keine ordinären Fischchnuschperli. Gestern ass ich im Kanton Jura, was ich schon lange hatte probieren wollen: Friture de carpes. Das geschah sozusagen planlos. Ich kam auf dem Weg von Boncourt über die Hügel nach Pruntrut am Restaurant Sur-le-Mont vorbei und fand das Gericht auf der Karte. Ich mochte den Fisch, der sich zu im Teig frittierten Egli oder Felchen so verhält wie der Tiger zum Büsi - wild versus zahm also. Das Fleisch war fest und schmackhaft, freilich auch mit brutal spitzen Gräten und Knorpeln durchsetzt. So ist er halt, der Karpfen. Ah ja, dies muss man noch wissen: Er ist in der Ajoie und dem angrenzenden Frankreich eine Nationalspeise; daher die vielen Zuchtteiche.

Samstag, 7. Oktober 2017

Baltschiederklause?

Eine Klause ist die Behausung eines Einsiedlers, den man darum auch "Klausner" nennt. Immer wenn ich das Wort “Baltschiederklause" hörte, dachte ich bis anhin: Okay, die Hütte hoch oben im Baltschiedertal unweit des Bietschhorns, Kanton Wallis - die liegt sehr abgeschieden. Aber ist sie deswegen eine Klause? Es handelt sich ja nicht um eine religiöse Einrichtung, sondern um eine SAC-Hütte mit reger Publikumsfrequenz. Kürzlich nun las ich den Wiki-Eintrag und musste schmunzeln, als ich las, wie es zu dem Namen gekommen war. Die Hütte wurde mit dem Geld des Industriellen Julius Klaus gebaut. Er machte zur Bedingung, dass diese seinen Namen trage. Die SAC-Sektion Blümlisalp taufte sie dann pfiffigerweise "Baltschiederklause".
In der Baltschiederklause wohnt kein Klausner.
(Bild: Alex Saunier, Camptocamp.org/ Wikicommons)

Freitag, 6. Oktober 2017

Setzt sich Teo durch?

Teo mit Mensch. (Bild: Medienbild Burri public elements, Glattbrugg)
Teo ist wetterfest, vandalensicher und - so sehen die Fotos aus - bequem. Teo ist ein Klappsitz, den die Postautoregion Zürich diesen Frühling in elf Gemeinden montiert hat an Haltestellen, wo es keine Ruhebänke gibt und auch keine Wartehäuschen. 60 Teo-Sitze à 350 Franken sind derzeit im Probebetrieb, konstruiert hat das Modell eine Glattbrugger Firma. Alles Weitere lese man im Tagi, der gestern über Teo berichtete.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Hechtstadt

Ein Hecht. (Wikicommons)
"Luzern" hat zu tun mit lateinisch "lucerna" gleich "Lampe". Dachte ich bisher, es passt ja auch zum heutigen Beiwort Luzerns: "Leuchtenstadt". Doch nun las ich im "Kleinen Sprachatlas der deutschen Schweiz" (Seite 312) eine ganz andere Deutung. "Luzern" komme von "lucius", also "Hecht", heisst es dort - der Ortsname spielt demnach an auf das reiche Vorkommen von Hechten im Vierwaldstättersee. Interessant.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Hütet euch in Visp!

Jedesmal beim Umsteigen in Visp denke ich, dass dieser noch recht neue, im Hinblick auf die Inbetriebnahme der Lötschberg-Neat eröffnete Bahnhof eine Fehlkonstruktion ist. Die Perrons sind jeweils, wenn ein gut besetzter Zug ankommt, voll von Menschen, die anstehen müssen, um es in die enge Rampe hinab in die Unterführung zu schaffen. Es wird gedrängelt, geschubst und gerannt, denn die Umsteigezeiten sind knapp bemessen. Würde mich nicht wundern, wenn in Visp mal jemand "vertrampet" würde. Ich finde, dieser Bahnhof ist deutlich zu eng gebaut.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Ohne Seil, ohne Magnesium, ohne Kleider


Es gibt nichts, was es nicht gibt. Mittlerweile habe ich mich dank diverser Medienberichte an die Idee des Nacktwanderns gewöhnt. Begegnet bin ich noch keinem, der nackt wandert. Nun weiss ich dank Youtube: Es gibt auch Nacktkletterer. Der Spanier David Fusté erklimmt nackt die unglaublichsten Wände. Für ihn habe die Kletterei etwas Animalisches, und dazu passe die Nacktheit, sagt er in dem gut vierminütigen Clip.

Montag, 2. Oktober 2017

Sushi mit Sora

Gern gehe ich nach dem Wandern ab und zu im HB Zürich etwas Kleines essen. Zum Beispiel eine Misosuppe mit Poulet. Sora Sushi heisst das Restaurant im Posthof, dem überdachten Atrium mit Oberlicht; dieser Ort im vollgepackten Bahnhof ist wohltuend luftig und locker. Blickfang des Lokals ist die - etwas eckig geratene - Statue von Sora. Der Frauenname ist japanisch und bedeutet "Himmel", habe ich mir sagen lassen.

Sonntag, 1. Oktober 2017

Walliser Wasserwunder

Am Bisse de Sillonin. 
Der Herr Widmer am Grand Bisse de Lens.
Die Freitagsroute: St-Léonard - Les Planisses - Bisse du Sillonin - Weg östlich vorbei am Sarmona - Spitzkehre - Grand Bisse de Lens - Spitzkehre beim Punkt 1029m - Le Châtelard, Christusstatue - Lens, Dorf (3 1/2 Stunden, 864 Meter aufwärts, 234 abwärts). Die zwei Bisses, historische Wasserkanäle, begingen wir nicht integral, sondern wir hatten uns die wildesten Abschnitte ausgesucht. Hier etwas mehr zu ihnen:
Mundendes Mahl:
Walliserteller in Lens
im Café-Restaurant de l'Union.
  • Der Bisse du Sillonin aus dem 14. Jahrhundert ist in der Schlucht des Flusses Liène (oder Lienne) ein Spektakel sondergleichen. Man geht auf einem schmalen Pfad waagrecht auf halber Höhe der Schlucht, 200 Meter tiefer hat man das blaue Band des Flusses, man ist arg ausgesetzt, ein Ausrutscher dürfte tödlich sein. Immerhin sind manche Stellen mit Seilen, einem Geländer oder auch einem Handlauf versehen. Am Schluss kommt, wenn man von Süden  nach Norden geht, eine Treppe mit unregelmässigen Stufen. Danach ist das Gruseln vorbei.
  • Der Grand Bisse de Lens von 1450 verläuft höher oben am selben Schluchthang. Dieser Pfad ist ebenfalls schwindelerregend, gleichzeitig hat man eine tolle Fernsicht zu den nahen Dörfern und hinab ins Tal der Rhone. An einigen Stellen geht man auf Holzstegen über dem Nichts, und auch da: immer wieder mal Seile, über die man froh ist.
Die Bisses, zu Deutsch "Suonen", müssten eigentlich ins Unesco-Weltkulturerbe, merkte gestern Blogleser Emil auf Facebook an. Recht hat er. Nicht nur die atemberaubende Art, wie diese Kanäle geführt sind, spricht dafür. Sondern auch das gemeinschaftliche Element, das mitschwingt. Die Bisses künden vom Willen der Dörfer, das kostbare Wasser gezielt für den Acker- und Rebbau zu nutzen und zu lenken und sich dafür zu organisieren. Die Bisses sind gleichzeitig ein technisches und ein gesellschaftliches Wunder aus dem Mittelalter.