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Montag, 22. Januar 2018

Als sei man in Flims

Der Egelsee, Gemeinde Bergdietikon AG.
Der Wanderbeginn bei der Zugstation Berikon-Widen ist deprimierend, der Mutschellen ist so was von be-, über- und verbaut. Bald aber kommt man Richtung Hasenberg aus dem Asphalt auf einen Höhenweg im Grünen und hat Weitblick. Und später ist da natürlich im Forst der Egelsee, dieser grösste ganz im Aargau gelegene Natursee, an dessen Ufer ich jeweils wähne, in Flims oder so zu sein. Am Samstag war der Egelsee wunderbar still, da das Wetter nicht besonders war. Wir setzten dann fort zum Weiler Heitersberg und stiegen ab nach Spreitenbach - erstaunlich wild der steile Wald bis an den Rand des zersiedelten Limmattals.
Zwei Attraktionen am Weg: Erstens der Guggehürlistei und zweitens ...
... die Burgruine Kindhausen, zu der man auf einem glitschigen Pfad aufsteigt.

Sonntag, 21. Januar 2018

Heitere Einkehr

Meine Bauernbratwurst mit meiner Rösti mit meiner Sauce.
Das Dessert meines Gegenübers: Zwetschgenmus (oder so) plus Zimtglacé.
Gestern war ich mal nicht der Organisator der Wanderung. Oder wenigstens nicht der Einladende. Aber ich steuerte doch die Idee des Mittagsziels und der diesem zustrebenden Route bei; ich schlug einen Ort vor, den mein Grüpplein kürzlich ohne mich besucht hatte an einem Samstag, an dem ich nicht konnte. Besagtes Restaurant liegt auf der Höhe von Spreitenbach hoch über dem Limmattal im Bauernweiler Heitersberg und heisst auch so. Von aussen ist es unauffällig, wirkt auf keinen Fall gentrifiziert. Die Stube ist gemütlich, der Service uneilig und sehr nett. Und die Küche sensationell gut: Es gibt ländlich schwere Sachen, aber auch das eine oder andere eher städtisch-urbane Gericht wie pulled pork. Jedenfalls aber war alles - die Fotos mögen es belegen - sensationell gekocht, so dass ich nur empfehlen kann, dass man im Heitersberg einkehrt. Die Visite dort macht heiter.
Von aussen sieht die Wirtschaft eher aus wie ein Wohnhaus.

Samstag, 20. Januar 2018

I-N-T-E-R-E-S-S-A-N-T

Das von Claude Chappe entwickelte Zeichensystem.
(Bild: Patrick87/ Wikicommons)
Mit Genuss lese ich dieser Tage die "Ramage"-Romane des englischen Schriftstellers Dudley Pope, die zurzeit der Kriege der Engländer gegen Frankreich unter Napoleon spielen. In Band elf ("Ramage's Signal") entdeckt der Romanheld, Kapitän Nicholas Ramage, an der südfranzösischen Küste von seinem Schiff aus eine merkwürdige Baute. Er begreift bald: Das ist ein Semaphor. Also eine optische Telegrafiestation. Schon die Griechen der Antike übermittelten Nachrichten auf dem optischen Weg: per Rauchzeichen etwa. Der entscheidende Schritt für eine effizientere optische Nachrichtenübermittlung war die Entwicklung des Fernrohrs im Jahr 1608 durch holländische Brillenmacher; nun konnte man viel weiter in die Entfernung blicken und also Signale ausmachen. Der Erfinder des Semaphors, das war dann in der Napoleon-Zeit der Franzose Claude Chappe. Er entwickelte folgende Vorrichtung: einen hohen Pfahl, an dem zwei schwenkbare Querbalken angebracht waren mit je einem schwenkbaren Zusatzbalken an jedem Ende. Dazu lieferte Chappe ein Alphabet, in dem bestimmten Balkenpositionen Buchstaben zugeordnet wurden (dazu kamen natürlich auch die Ziffern). 1794 wurde die erste reguläre Telegrafenlinie zwischen Paris und Lille eingerichtet, die mit 22 einzelnen Stationen 270 Kilometer überbrückte. Napoleon profitierte vom Chappe-System erheblich. Bis 1845 entstand in Frankreich ein von Paris ausgehendes, die Hauptstadt mit allen wichtigen Städten des Landes verknüpfendes System von Semaphoren. Andere Länder übernahmen die Erfindung bald. "Semaphor" kommt übrigens aus dem Altgriechischen und bedeutet "Zeichen-Bringer". Auf Italienisch ist der "semaforo" mit betontem A heutzutage das Lichtsignal.

Freitag, 19. Januar 2018

Babylonien - Zürich einfach

Der Militärarzt Alexander Schläfli und der Kaufmann Julius Weber sind sich 1861 in Badgad begegnet. Doch was die beiden Schweizer wirklich verknüpft, ist nicht persönliche Bekanntschaft, sondern die Leidenschaft für assyrische, babylonische und sumerische Altertümer. Vieles schicken die zwei von ihren Orientreisen heim an die Antiquarische Gesellschaft Zürich; später gehen die wertvollen Statuetten, Schrifttafeln, Reliefs an die Universität Zürich. Bis in die Gegenwart kommen weitere Kollektionen dazu, die Privatsammlung des Zürcher Ägyptologen Peter Arpad Kaplony etwa oder des Zürcher Verlegers Werner Coninx. Heute sind
die Preziosen aus Nahost, Ägypten und dem Mittelmeerraum (Griechen, Römer, Etrusker) in der Archäologischen Sammlung der Uni Zürich an der Rämistrasse 73 zu sehen. Diese Woche ging ich hin, während ein Schneesturm wütete, schlenderte unter den wachsamen Augen einer Aufsichtsperson als Alleinbesucher vorbei an den Vitrinen und den Masken und Statuen und war beeindruckt, was Schweizer so alles von ferne nach Haus gebracht haben. Ein Wort zu den Fotos: Viel war nicht abzulichten, denn man darf in der Sammlung nicht fotografieren. Ein Grund mehr, liebe Leserin und lieber Leser, sich vor Ort zu begeben.

Donnerstag, 18. Januar 2018

Die Hölzige

Zwei Prachtexemplare an der Arbeit.
Mit einem Ohr nur hörte ich gestern Mittag dem Radio zu. Beim Satz "De Hölzig isch en Teamplayer" horchte ich auf. Da war ein Wort wieder, das ich seit Jahren nicht mehr gehört - und zuletzt selber gebraucht hatte, als ich für "Geo Schweiz" ein Porträt des Neckertals schrieb. Denn dieses ist, als weitgehend ländlich gebliebene Gegend, das Reich der Hölzigen. Will heissen aller Leute, die mit Holz zu tun haben: Förster, Waldarbeiter, Säger, Zimmerleute. Im gestrigen Radiobeitrag ging es um die Schäden landesweit, die die Winterstürme Burglind und eventuell Evi hinterlassen - die Hölzigen müssen ran.

Mittwoch, 17. Januar 2018

Flexible Frau

Dieses antike Kleinobjekt fotografierte ich in Martigny in der Fondation Gianadda, zu der eine permanente Antike-Ausstellung gehört. Epona war eine keltische Göttin und konnte ihre Karriere bei den Römern fortsetzen, wobei sie ihr Image wechselte: Bei den Kelten stand sie eher für Fruchtbarkeit, bei den Römer aber war sie zuständig für Pferde und Kavallerie. Epona, eine Überlebenskünstlerin auf höchstem Niveau. Eine flexible Frau.

Dienstag, 16. Januar 2018

Die zweite Halbzeit beginnt

Soll das etwa gemütlich sein?
Ich würde mich keineswegs als Winterhasser bezeichnen, stelle aber jeweils im Winter fest, dass mir beim Wandern Dinge fehlen: der Geruch von Blumen, frisch geschnittenem Heu, Brennnesseln und Walderdbeeren, die leichte Kleidung, die Länge der Tage. Und daher vermelde ich heute erfreut: Wir haben den 16. 1. - wir treten in die zweite Hälfte des Winters ein, der gemäss meteorologischer Definition die drei Monate Dezember, Januar und Februar umfasst.

Montag, 15. Januar 2018

Der Wanderwegklaus

Am Samstag war alter Silvester, im Appenzeller Hinterland gingen die Kläuse um. Für die, denen das nicht geläufig ist: Die sehr reformierten Ausserrhoder verweigerten sich der Kalenderreform des Papstes Gregor aus dem Jahre 1582 und hinken daher beim Silvestern dem heutigen Kalender praktisch zwei Wochen hinterher. Von Blogleserin Marianne stammt das Foto (vielen Dank, Marianne!). Es zeigt einen Klaus beim Hof Läbel in Hundwil - jaaaaa, das auf der Haube ist ein Wanderwegweiser.

Sonntag, 14. Januar 2018

Hometrainerhorror

Das eine Zimmer meiner Wohnung hat sich im Lauf der letzten Jahre in ein Mini-Gym verwandelt, man treibt mit zunehmendem Alter immer mehr Aufwand für die Instandhaltung des eigenen Körpers. Ich mache jeden Morgen mindestens 20 Minuten Gymnastik, eine Art Freestyle-Pilates. Plus setze ich mich mehrmals wöchentlich auf den Hometrainer und radle dreissig Minuten; es geht mir dabei weniger um den Kreislauf und die Fitness als um die Hüftgelenke, die mir oft vorkommen wie eingerostet. Zu dem Drehritual gehört meine Gewohnheit, mir auf dem iPhone jeweils eine bestimmte Serie von Netflix zuzuführen; diese Serie schaue ich - wohlgemerkt - nur an, während ich hometrainere. Momentan ist es "Stranger Things", eine US-Horrorserie um seltsame elektrische Phänomene auf einem Industrieareal im Wald; im nahen Dorf verschwindet gleichzeitig ein Bub. Dafür taucht ein Mädchen mit kahlgeschorenem Kopf auf, das allein mit seinem Willen allerlei Geräte steuern kann. Was das alles soll und wo es hin will? Fragt mich in einigen Wochen wieder, also nach zusätzlichen Hometrainer-Sessionen. Und wer jetzt motzen will, dass so ein iPhone-Bildschirm fürs Filmeschauen doch viel zu klein sei, dem sage ich: Stimmt nicht. Ich finds optimal so. Schönen Sonntag!

Samstag, 13. Januar 2018

Jetzt war ich doch mal in den Bergen

Blick vom Zügenhüttli, hinterm Horizont liegt Österreich. Bald dürften
am Himmel Helis schwirren, der Trump-Besuch. Aber gestern wars ruhig.
Howard Carpendale sang "Deine Spuren im Sand". Schade,
schob er nicht "Deine Spuren im Schnee" nach.

Diesen Winter habe ich es nicht so mit den Bergen; die Anreise und manchmal der Aufenthalt selber sind zu oft mit Stress verbunden, finde ich. Aber für gestern hatte ich mir es fest vorgenommen und zog den Plan dann auch durch, von der Madrisa-Bergstation hoch über Klosters Dorf den gespurten Winterwanderweg zum Zügenhüttli und wieder retour zu wandern, wofür man anderthalb Stunden braucht. Die Unternehmung war wunderbar, wenn man vom kurzen Tee-Nussgipfel-Stopp im Hüttli absieht, wo um halb elf die ersten Skifahrer Hüttenkafi soffen und überlaut redeten; der eine krähte auf die Frage der Serviererin, ob er einen Nussgipfel wolle, was solche Typen immer krähen: "I bi scho süess gnueg, ha ha ha!" Ansonsten gefiel mir so ziemlich alles: die Art, wie die Sonne sich gegen den zähen Hochnebel durchsetzte, der Tiefblick auf das Tal der Landquart, auf Klosters sowie Richtung Wolfgang, die Sicht auf die Gipfel rundum, die gekonnt platzierten Bänkli und natürlich die perfekt gewalzte Piste selber. Doch, das war gut. Ob ich bald wieder in die Berge gehe, weiss ich trotzdem nicht. Sicher nicht dieses Wochenende - angesichts der Wetterprognose denke ich, dass heute in Klosters und anderswo die Hölle los ist.
Talfahrt gen Klosters in der Gondel.

Freitag, 12. Januar 2018

Rothenburg: Das muss man wissen

Rothenburg, Flecken. Vorn die Kirche, rechts der Bären.
Am Mittwoch wanderte ich nach Rothenburg. Drei Dinge muss man zu diesem stattlichen, mittlerweile in die Agglo der Stadt Luzern eingewobenen Dorf mit gut 7400 Einwohnern wissen:
Mein Zmittag (der Hauptgang). Man
entschuldige den seltsamen Gelbstich.
  1. Das Zentrum des Dorfes, das eigentliche Dorf, wird "Flecken" genannt. Dort findet man die Kirche. Und den Bären, in dem ich - gute Adresse für hungrige Wanderer - gut und gar nicht mal teuer ass: Suppe, Salat, Fleischkäse mit Spiegelei, Zucchetti und Pommes Frites. Einen Bären gab es schon 1454, er war damals Taverne und Rathaus; das heutige Gebäude stammt von 1707.
  2. Der öffentliche Verkehr ist reichhaltig. Es gibt Busse, so ist "Flecken" eine Bushaltestelle. Und da sind zwei Bahnhaltestellen. Die erste, "Rothenburg, Dorf", liegt nah beim Flecken, aber auf der anderen Seite des Hellbühler Rotbaches auf dem Gebiet der Gemeinde Emmen. Die zweite, "Rothenburg" oder auch "Rothenburg, Station" ist ziemlich im Abseits platziert, aber auf Gemeindegebiet Rothenburg und nahe bei grossen Fabriken, die somit einen Bahnanschluss haben oder hatten; an dieser Station endete meine Wanderung. Beide Bahnhaltestellen liegen an der Linie Luzern - Olten. 
  3. Die Freiherren von Rothenburg hassten die Stadt Luzern. Als das Geschlecht 1285 ausstarb, übernahmen die Habsburger und machten aus Rothenburg eine Vogtei. Sie verliehen dem Ort 1371 auch das Stadtrecht und forcierten somit den Plan, diesen als Herausforderer Luzerns zu positionieren. Am 28. Dezember 1385 war der Grossteil der Burgbesatzung und der Einwohnerschaft Rothenburgs durch eine Prozession absorbiert - die Stadtluzerner fielen ein, zerstörten die Burg, schleiften die Mauern. Ein Jahr später ergriffen sie direkt die Macht und sorgten ab da endgültig dafür, dass Rothenburg nicht zu gross und zu stark werden würde.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Beides schön

Biotöpli eine halbe Gehstunde nach dem Wanderstart in Eschenbach.
Eschenbach, das Kloster der
Zisterzienserinnen.
Am Samstag stieg ich in Eschenbach, Kanton Luzern, aus dem Zug und war unschlüssig, wohin ich gehen sollte. Ich betrachtete den Wegweiser, fand Sins ein lohnendes Ziel, doch auch Rothenburg exakt in entgegengesetzter Richtung reizte mich. Während ich noch brütete, kam ein Büezertyp vorbei, vielleicht ein Bahnarbeiter, er trug eine Schutzweste und hatte eine Krumme im Mund. Ob ich nicht wisse, wo es durchgehe, fragte er mich, und ich antwortete, dass ich mich nicht entscheiden könne: Sins oder Rothenburg, das sei die Frage. "Beides schön", brummte er. Und dann noch einmal, mit mehr Gehalt: "Beides schön!" Ich erwählte mir dann Sins, über jene Route habe ich inzwischen auch gebloggt. Gestern nun reiste ich wieder nach Eschenbach und nahm den anderen Weg, den nach Rothenburg. Die Gegend war schön mit stillen Waldstücken, Naturschutzweiherli und dem einen oder anderen ins Gelände eingetieften Bach; freilich passierte ich auch diesmal umgestürzte Bäume und musste einmal wegen Holzerarbeiten einen Umweg machen - Nachwirkungen des Sturms Burglind. Exakt auf der Höhe der Nebelgrenze spielte sich die Sache ab, mal beschien mich die Sonne, dann wieder umfing mich Dunst. In der schönen alten Wirtschaft Chlöpfen machte ich Pause, geriet später in die Luzerner Agglo, ass im Kern von Rothenburg gut zu Mittag (mehr davon bald) und beendete meine Unternehmung (drei Stunden Gehzeit) an der Station von Rothenburg. Doch, fand ich dort, der Typ in Eschenbach hatte schon recht: Beides schön.
Hier war Kafihalt: die Wirtschaft Chlöpfen.

Mittwoch, 10. Januar 2018

Ein bisschen Brausekunde

Tiki - das waren diese Brausetabletten, die man am Kiosk kaufte, Himbeere, Zitrone oder Cola. Man nahm sie mit auf die Schulreise und konnte Streiche spielen, zum Beispiel mit aus dem Mund quellendem Schaum rufen: "Herr Lehrer, Herr Lehrer, ich habe Tollwut." Am Samstag musterte ich am Bahnhof Sins das Sortiment des Getränkeautomaten und stellte fest, dass es Tiki auch als Limonade gibt. Natürlich schlug ich zu, und tatsächlich war der Geschmack (Himbeere) genau der von damals. In der Mythologie der Maori ist Tiki übrigens der erste, von den Göttern kreierte Mensch, ein Mann, der gleich in einem Teich die erste Frau sichtet, Marikoriko; sie verführt ihn umgehend. Aus Polynesien, wo es ebenfalls Tiki-Gestalten gibt, soll unsere Brause ihren Namen erhalten haben. Unsere Brause? Tiki wurde 1907 von einem böhmischen Backpulver-Hersteller kreiert. Dessen Sohn flüchtete 1947 mitsamt dem Rezept in die Schweiz. Wer hats erfunden? Die Tschechen, hüstel.

Dienstag, 9. Januar 2018

Erosion in den Dörfern

Ob die je noch voll wird? Die Kirche von Oberrüti AG,
an der ich letzten Samstag wandernd vorbeikam.
"Kann sein, dass die Kirche in der Stadt ausgedient hat. Auf dem Land ist es anders; hey, geh mal ins Entlebuch oder nach Innerrhoden, da sind die Leute noch voll katholisch!" Das hört man in etwa, wenn man über den Glauben hierzulande diskutiert und über seinen Schwund bei den grossen Konfessionen. Gestern war ein enorm interessanter, soziologisch unterfütterter Artikel in der NZZ - er widerlegt die Annahme, dass auf dem Land der Glaube respektive das Kirchenleben praktisch intakt sei. Früher, noch vor 50 Jahren, war die soziale Kontrolle auf dem Land stark, die Dorfkirche füllte sich, weil die Leute auf ihre Nachbarn schauten, die am Sonntag hingingen, man musste dann selber halt auch. Heute ist das anders, die Leute handeln eigenständiger, es gibt keine gesellschaftlichen Zentralrituale mehr. Das Gemeinschaftsgefühl in den Dörfern mag zwar weiter stärker sein als in der Stadt, stellt sich aber eher über das Mittun in einem Verein her als über den Kirchgang. Und statt zum Pfarrer sucht man den Psychologen auf, wenn man ein Problem hat. Und... aber man lese selber, ich muss ja nicht den ganzen Artikel referieren.

Montag, 8. Januar 2018

Giftiger Sonntag

Hornviper.
Grüner Baumpython.
Gestern besuchte ich den Schlangenzoo Eschlikon; er liegt zehn Gehminuten vom Bahnhof entfernt in einer Wohn-Gewerbe-Zone. Gut, dass es nicht viele Leute hatte, der Raum mit den Terrarien ist nicht übergross, ich genoss es, die einzelnen Schlangen - viele davon giftig - in Ruhe anschauen zu können. Soweit ich sie sah. Denn zum einen sind manche Schlangen Schlängli, rührend klein, und zum anderen tarnen sie sich meisterhaft, so dass ich manchmal Minuten brauchte, um ein bestimmtes Tier ausmachen zu können. Eher ungemütlich fand ich, dass die Frau, die mir an der Kasse das Billett verkauft hatte, immer wieder mal die Tür zu einem Terrarium öffnete, um Kot zu entfernen und so weiter. Mich macht es kribbelig, wenn ich mir vorstelle, dass zwischen mir und einer Schlange auf einmal keine Glaswand ist. Aber ich habe den Besuch überlebt und kann den Zoo empfehlen.
Westliche Diamantklapperschlange.

Sonntag, 7. Januar 2018

Die Burglindaufräumer

Grob gesagt, gibt es zwei Arten von Waldarbeitern. Die einen, meist fortgeschrittenen Alters, haben einen struppigen Bart und einen Haltungsschaden, rauchen in der Beiz Krumme und trinken Kafischnaps, und wenn man sie im Wald fragt, was sie da machen, sagen sie: "I rumme die alt Waar use." Die anderen Waldarbeiter sind eher jung, könnten in jeder Rosamunde-Pilcher-Verfilmung den Förster geben, trinken Ingwertee aus dem Thermos, essen wenig Fleisch und beantworten dieselbe Frage mit: "Als Partner der Natur helfe ich, dass der ökologische Kreislauf gut funktioniert." Gestern traf ich auf dem Weg von Eschenbach LU nach Sins AG jede Menge Waldarbeiter beider Subspezies. Sie waren dabei, die Schäden von Burglind zu beseitigen; wahnsinnig, wie der Sturm mancherorts gewütet hat.

Samstag, 6. Januar 2018

Abzug der Braunkutten

Hat mit Brig nichts zu tun,
eignet sich aber zum Zeigen:
der Kapuzinerheilige Bernardo
da Corleone
. (Wikicommons)
Wieder einmal etwas zum Dauerthema des Klostersterbens. In Brig hat Ende 2017 das Kloster der Kapuziner definitiv die Pforte geschlossen, die Brüder mit den braunen Kutten werden aus dem Stadtbild verschwinden. Diesen Monat nehmen sie mit drei Gottesdiensten Abschied von der Bevölkerung, im Februar ziehen sie endgültig von dannen. Bereits klar ist, dass das Klostergebäude durch die Stiftung "Emera" übernommen wird. Sie stellt Zimmer für Menschen mit einer psychischen Behinderung bereit und kann so ihr Angebot ausweiten.

Freitag, 5. Januar 2018

Frau, Katze, Glück

Die "Schweizer Familie" bietet in der ersten Nummer des neuen Jahres eine Titelgeschichte zum Glück. Ich habe den Hauptteil in Form dreier Porträts beigesteuert: Menschen mit Lebenserfahrung erzählen, wie man Unglück überwindet, wie man zufrieden bleibt, wie man vielleicht sogar das Glück findet; es geht um Familie, Tiere, Hobbys, Sport und so weiter. Aber auch von einer Krebserkrankung ist die Rede, von einer schlimmen Berufskrise samt Entlassung sowie von einer frustrierenden Ehe. Und das Wandern kommt ebenfalls vor. Rose Zschokke, eine wunderbare Frau, die ich dank des Artikelprojekts kennengelernt habe und die in der Stadt Zürich lebt, geht regelmässig wandern und hat auch schon den Jakobsweg gemacht. Das hier im Blog beigestellte Foto zeigt Rose, 77, mit ihrer Katze Julie, 18, auf dem Titelbild der SF. Wer mehr von Rose, ihren Katzen, den Aufs und Abs ihres Lebens hören will und auch gern die Porträts von Josef Hochstrasser und Vreni (und Paul) Preisig lesen möchte - die SF gibt es  für 5 Franken 50 am Kiosk. Für eine zünftige Portion Glück ist das nun wirklich nicht zuviel.

Donnerstag, 4. Januar 2018

Widmer und Burglind

Gestern um elf Uhr: Eschlikon fotografiert aus dem Zug.
Als hartgesottener Wanderer brach ich gestern morgen gegen zehn Uhr auf, als Weichei kam ich gut drei Stunden später wieder zuhause an. Den Sturm Burglind hatte ich erleben wollen, nicht im Wald, aber doch auf freiem Feld - die Flachstrecke von Eschlikon nach Sirnach hatte ich mir vorgenommen, Gehzeit eine Stunde. Doch während meine S-Bahn von Winterthur zum Wanderziel vorrückte, nahm Haltestelle um Haltestelle meine Motivation ab. Den Wind hätte ich zu nehmen gewusst, aber der Sturmregen war mir zuviel; er peitschte an die Scheiben wie Schrotkugelsalven, die Leute im Zug lachten und schwatzten, die Kinder schrien erregt. In Eschlikon blieb ich sitzen, in Sirnach ebenfalls, in Wil auch; die gleiche S-Bahn fuhr retour nach Winterthur, an Bord trug sie einen trockenen Widmer, der sich freilich lächerlich vorkam in seiner militanten Regenvollmontur.

Mittwoch, 3. Januar 2018

Man müsste mal nach Zzyzx

Die Zzyzx-Road. (Bild: Vezoy/ Wikicommons)
Ich liebe Michael Connellys Krimis um Hieronymus "Harry" Bosch. In "The Narrows" von 2004 verschlägt es den Polizeiermittler aus Los Angeles in die Wüste des San Bernardino County - an einen Ort, wo ein Serienkiller mehrere Leichen verscharrt hat. Der Ort heisst im Buch, jawohl: Zzyzx. Und wie ich gleich auf Wikipedia eruierte, gibt es ihn tatsächlich. Unter allen Ortsnamen Amerikas handle es sich, steht in der Wiki, um den letzten auf der alphabetischen Liste. Erfunden hat ihn ein Hochstapler in den Jahren des zweiten Weltkriegs, der sich dort als Heiler inszenierte mit einem Konglomerat aus Hotel, Heilbad, Kirche, Radiostation und Flugplatz. Heutzutage wird in Zzyzx die Wüstenökologie erforscht. Man müsste mal hinreisen, wäre sicher interessant. Im Reisebüro müsste man auf die Eintrittsfrage nach dem eigenen Reiseziel sagen: "Ich will nach "Zaizix" (mit weichem Z wie in "crazy")." So wird der Name ausgesprochen.

Dienstag, 2. Januar 2018

2018 ist eingewandert

Kurz nach Wanderstart: Der Himmel über Aadorf.
Mit den üblichen Silvesterleichen fuhr ich gestern früh nach Winterthur und weiter nach Aadorf, Kanton Thurgau. Ein wütender Wind arbeitete daran, den Himmel von den Regenwolken der Nacht freizublasen. Auf dem Waldhügel oberhalb des Dorfs Krillberg kam auf einmal mit Macht die Sonne und beschien das Tal der Murg, als sei es das gelobte Land. Drei Menschen begegnete ich auf der ganzen Wanderung, die gegen Mittag in Eschlikon endete, es waren alles Frauen. Die erste: eine junge Joggerin mit Ohrstöpseln, die mich nicht sah oder so tat, als ob. Die zweite: eine unglaublich mürrische Reiterin, die nicht grüsste und wirkte, als hätte sie seit drei Jahren Leberbeschwerden oder Gallenprobleme. Die dritte Frau immerhin, die eine Runde um Krillberg drehte, ihren Wohnort - diese Person war nett. Sie wünschte mir ein frohes neues Jahr. Natürlich tat ich das ebenfalls. Bei der Heimfahrt, im Zug, dachte ich dann: Okay, 2018 ist eingewandert.
Kurz vor Gehschluss: Wanderweg nach Eschlikon hinein.

Montag, 1. Januar 2018

Maler der Halbwelt

Ausstellungsplakat vor dem Gebäude der Fondation Gianadda.
Der Künstler war auch Werber.
Henri de Toulouse-Lautrec, geboren 1864, stammte aus hohem südfranzösischen Adel, der Vater war ein Graf. Kurz war das Leben des Künstlers, er litt an einer Krankheit, die sein Wachstum bremste, hatte auch mürbe Knochen, 1878 brach er sich den linken Oberschenkel, ein Jahr später den rechten, als Erwachsener war er 1 Meter 52 gross, der Torso normal ausgebildet, Beine und Unterkörper aber krass verkürzt. In Paris fand Toulouse-Lautrec seine Bestimmung als Maler und Grafiker; seine wichtigsten Sujets waren die Damen und Herren der Halbwelt und Kunst, Tänzerinnen, Sänger, Schauspielerinnen, befreundete Maler. In der Fondation Gianadda in Martigny sind von Toulouse-Lautrec bis zum 10. Juni gut 90 Druckgrafiken und Plakate zu sehen; sie dokumentieren aufs Schönste die längst untergegangene Welt der bestrumpfte Beine schwingenden Frauen, der Salons in Plüsch, der schrägen Clowns und Montmartre-Menschen, der ersten Cyclistes. Toulouse-Lautrec erlebte noch den Anfang des 20. Jahrhunderts; er starb 1901 auf dem Familienschloss in der Gironde.

Ist das ein Aztekentempel?
Drinnen.
P.S. Das Gebäude der Fondation Gianadda sieht aus wie ein Aztekentempel. Man sagt, es sei hässlich. Mag sein. Doch das Haus ist angenehm zu nutzen: Man tritt ein und hat gleich den Überblick dank der Atriumkonstruktion, dem riesigen Innenhof also, um den eine Galerie führt. Zusätzlich zur laufenden Ausstellung und der permanenten Antike-Ausstellung sind übrigens im Untergeschoss Oldtimer zu besichtigen. Die fand ich besonders herrlich.