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Samstag, 24. Februar 2018

Schnudernasenwetter

Endlich! Ich habe Schloss Oron gesehen.
Dem berühmtesten Vaudois aller Zeiten ist ein Weg
gewidmet. Nein, ich meine nicht Jean-Pascal Delamuraz.
Gestern war richtiges Schnudernasenwetter. Auch trieb mir die Bise Tränen in die Augen. Und doch: tolle Route! Ich ging von Oron-le-Châtel via Oron-la-Ville und Châtillens nach Servion. Waadtland also (mit einem Freiburger Intermezzo). Knapp drei Stunden brauchte ich statt zwei, weil ich einen riesigen Umweg machte im Zusammenhang mit einem geplanten Artikel. Auf meiner kleinen Romandietour lernte ich einige neue Flüsschen kennen mit charmanten Namen wie Flon, Grenet, Parimbot; die Broye, die kannte ich natürlich schon. Die Waldstücke taten es mir an, alles so schön still noch. Und endlich sah ich Schloss Oron; schon lange hatte ich mir das gewünscht. In Servion war die Wanderung am Mittag aber nicht einfach fertig, nun folgte der Besuch im ... Ich erzähle morgen weiter.
Am Flon zwischen Oron-le-Châtel und Oron-la-Ville.

Freitag, 23. Februar 2018

Die Wetterkränkung

Wenn man Makrovorgänge, Himmelsphänomene etwa oder meteorologische Ereignisse, persönlich nimmt, riecht das nach Geisteskrankheit. Trotzdem kann ich nicht umhin zuzugeben, dass mich der prognostizierte Verlauf des Wetters in den nächsten Tagen im Innersten beleidigt. Ich empfinde die schauderhaften Minustemperaturen, die angesagt sind, als Kränkung. Als gezielten Affront von unbekannt. Dies umso mehr, als Ende Februar der - meteorologisch definierte - Winter endet.

Donnerstag, 22. Februar 2018

Sagelihaft

Das Sageli liegt nah Rapperswil über Kempraten im grünen Hang, die Agglo ist brutal nah, und doch ist die unmittelbare Umgebung der Wirtschaft ländlich geblieben mit einem Bach, der just an dieser Stelle in einem Nagefluhschlitz an Fahrt gewinnt. Hin kommt man mit dem öffentlichen Verkehr ab dem Bahnhof Rapperswil mit dem Bus 994, von der Haltestelle "Jona Wohnheim Balm" sind es zu Fuss 15 Minuten schräg den Hang hinab. Im Sageli wirten und kochen sie - ich sage das ohne Ironie - auf die gute alte Art; Veganer huschen vermutlich gleich von dannen, nachdem sie die wohltuend kurze Karte gemustert haben, es gibt Beinschinken, Bauernbratwurst, Fleischkäse und so weiter. Und eine sehr gute Rösti. Also Speisen, wie sie Wanderer lieben, Quinoakroketten sucht man vergeblich. Gestern war ich, geleitet von Schulkollegin Susan, zum ersten Mal im Sageli. Ich denke, es wird nicht das letzte Mal sein - es war gemütlich und gut im Sageli. Sagelihaft war es.
Oben die Stiftung Balm (Bus). Rot das Sageli. Unten rechts der
Bahnhof Kempraten. (Screenshot Google Maps)

Mittwoch, 21. Februar 2018

Besuch beim Dichter

Kilchberg, der Kirchhof: Ein Marmor-Obelisk erinnert an C. F. Meyer. Hinten die Felsenegg.
Die Grabplatten im Boden sind Meyers Gattin Luise und beider Tochter Camilla gewidmet.
Meyer-Büste im Museum.
Derzeit bin ich daran, sämtliche Novellen des Zürcher Dichters Conrad Ferdinand Meyer zu lesen - süffige Ware. Eine Visite in Kilchberg drängte sich in diesem Zusammenhang auf. Dort lebte Meyer ab 1877 mit seiner Frau Luise, die er zwei Jahre zuvor geehelicht hatte, im Gut "Auf Brunnen". Heute ist im Haus das Ortsmuseum untergebracht, zu dem im Erdgeschoss die Meyer-Räume zählen, das Arbeitszimmer etwa mit dem Schreibtisch, am dem Meyer so einiges geschrieben hat, das bleibt. Vor einigen Tagen stattete ich dem Museum einen Besuch ab. Danach stieg ich zur nahen Kirche hinauf und ging zum Meyerschen Grabmal, einem Obelisken; an dessen Fuss erinnern zwei Tafeln an Meyers Gattin und die gemeinsame Tochter Camilla.
An diesem Tisch schrieb er.

Dienstag, 20. Februar 2018

O Tannenbäumli

Dieses Tännli wird dereinst, wenn es eine ausgewachsene Tanne ist, über seine ersten Jahre im Forst bei Kölliken sagen: "Ich verbrachte eine äusserst behütete Jugend."

Montag, 19. Februar 2018

Regen und Schnee und Schneeregen

Das Morgetshofseeli: Als ich vorbeikam, begann es grad zu flöckeln.
"Unsere liebe Frau vom Hegau" im
Kapellchen oberhalb von Bietingen.
Es regnete, als ich Buchthalen am Stadtrand von Schaffhausen startete. Und es regnete, als ich in Thayngen anlangte. Dazwischen gab es Phasen, in denen es nicht regnete. Weil es schneite oder schneeregnete. So war das am Samstag auf meiner 3 1/2-Stunden-Wanderung durch mir unbekanntes Gelände - schönes Gelände. Von Buchthalen ging es nach Gennersbrunn, zum Roderichstein und entlang einsamer Sumpfwiesen und vorbei am Morgetshofseeli nach Bietingen, wo ich auch den Hügel Kapf bestieg. In Bietingen - deutsches Gebiet, übrigens, zum zweiten Mal an diesem Tag - ass ich im Gasthof Wider einen Schweinebraten mit Spätzle und zog danach, immer der Biber folgend, nach Thayngen. Dort schwappte Konfetti in den Pfützen, und ein paar Verkleidete begrüssten mich mit "Guete Morge"!
Nach dem Zmittag zwischen Bietingen und Thayngen.

Sonntag, 18. Februar 2018

Schaffhauser Urgestein

Ein sehr historischer Findling: der Roderichstein.
Ich glaube, ich bin mit einer schweren Lithophilie geschlagen. Mit einer übermässigen Liebe zu Steinen. Gestern totalfaszinierte mich im Wald 600 Meter nördlich des Schaffhauser Weilers Gennersbrunn der Roderichstein, ein vermooster Brocken in einer Grube, die wirkt, als sei sie einst von Menschen ausgehoben worden. Allerdings finde ich dazu nichts Schriftliches. Dafür erklärte mir eine Tafel vor Ort, was es mit dem Stein, einem Findling, auf sich hat. Im Jahr 1067 schenkte der römisch-deutsche König Heinrich IV. dem Grafen Eberhard VI. von Nellenburg, Schaffhausens Gründergestalt, ein Jagdgebiet, das in seinen Umrissen den Kern des heutigen Kantons Schaffhausen vorwegnahm. In der Urkunde Heinrichs spielte der Roderichstein bei der Bezeichnung der Grenzen des Jagdgebietes eine zentrale Rolle als Landmarke. Daher ist er sozusagen das Schaffhauser Urgestein.

P.S. Falls es unter den Lesern Leute hat, die wissen, warum der Roderichstein so heisst, wie er heisst - bitte melden! Welcher Roderich ist gemeint? Doch wohl nicht der König der Westgoten.

Samstag, 17. Februar 2018

Tumulus gibt Cumulus

Wendelinskapelle Sarmenstorf: Der Felsen ...
... hat sich durch die Wand ins Innere gefressen. Quasi.
Meine Rundtour ab Sarmenstorf am Mittwoch: total ergiebig mit immer neuen Attraktionen am Weg. Zuerst für die, die die dreistündige Wanderung nachvollziehen wollen, deren Stationen: Pfarrkirche Sarmenstorf - Wendelinskapelle - Zigiholz - Heidenhübelstein - Römische Villa - Bettwil, Kirche - Fahrwangen, Bärenplatz - Flurenweg - Sarmenstorf, Fahrwangerstrasse (Bus). Hier die drei Dinge, die mir am meisten Eindruck machten:
  • Die Wendelinskapelle sieht aus, als hätte ein riesiger Findling die eine Wand durchgefressen. Eine Art Steintumor am Werk. Natürlich ist es umgekehrt. Die Kapelle schluckte jene Hälfte des Findlings, die ihr im Weg stand. Welche Legende das Kirchlein umrankt, kann man hier nachlesen.
  • Im Zigiholz gibt es steinzeitliche Hügelgräber. Grabhügel benennt man auch mit dem lateinischen Wort "tumulus" - um weniger zu frieren, blödelte ich im Wald mit mir selber, was das Zeug hielt. Im Zigiholz kam mir der Slogan in den Sinn: "Für jede Tumulus/ gets hüt im Migros Cumulus."
  • Eindrücklich auch die römische Villa im Sarmenstorfer Waldstück Murimooshau. Ein Teil des Traktes wurde von den Ausgräbern konserviert, darüber errichtete man ein Schutzdach. An diesem hingen Eiszapfen. Ich dachte: "Heizt mal das Wasser auf, edle Römer, ich will heiss baden."

Freitag, 16. Februar 2018

Buttitschifra, Muusa, Schmalz

Schmalz. Also Anke. Also Butter.
Zur neuen "Schweizer Familie" - jetzt am Kiosk - habe ich einen Artikel beigesteuert über die Schweizer Dialekte: Es geht um Kuriositäten, Neuheiten und Trends. Gewusst, dass sich zwei Dialekte immer mehr verbreiten, Zürichdeutsch und Berndeutsch? Man spricht von Regiolekten. Hier vier weitere Appetithäppchen; es würde mich freuen, wenn die Leute das Heft kaufen:
  • Ein BH heisst im Wallis auch "Buttitschifra".
  • Im Jaundeutschen wird die Puppe, mit der Kinder spielen, "Muusa" genannt.
  • Die "Butter" verdrängt den "Anke" und das "Schmalz". Wir Appenzeller sagen noch "Schmalz". Doch das Territorium dieses Wortes, das einst von Schaffhausen bis ins Bündnerland reichte, ist stark geschrumpft.
  • In Gebieten mit Secondos vom Balkan, im Limmattal etwa, kursiert unter jungen Männern seit einiger Zeit das serbische Wort "Brat". Es bedeutet dasselbe wie Englisch "Bro": Bruder. Wobei dieser "Bruder" meist kein leiblicher Bruder ist, sondern ein Freund, Kollege, Kumpan. Bitte nachsprechen mit dramatisch gerolltem R: "Er isch min Brat, Mann."

Donnerstag, 15. Februar 2018

Freude beim dritten Nest

Ziemlich genau drei Stunden war ich gestern gewandert - eine Rundtour im Aargau. Als ich mich nun wieder dem Ausgangsort Sarmenstorf näherte und bereits an die verdiente Mittagspizza dachte, erblickte ich bei Unter Langemoos drei Storchennester. Das erste war leer, von unten besehen. Das zweite auch. Auf dem dritten aber stand ein Storch und betrachtete mich, während ich ihn betrachtete. Später googelte ich und fand heraus: Störche hat es in Sarmenstorf noch nicht lange. Aber sie entwickeln sich prächtig.

Mittwoch, 14. Februar 2018

Walter Züst und die Dornesslerin

Der Chindlistein.
Unlängst schrieb ich über den Chindlistein, der bei der Raspeln steht, einer einsamen Flur im Appenzeller Vorderland. Walter Züst, ein einheimischer Schriftsteller, hat der Gegend einen Roman gewidmet. "Die Dornesslerin" erzählt von Leben und Tod der Agatha Roner, einer verschupften Frau vom Hof Dornesslen, die vor gut 400 Jahren als Hexe verbrannt wird. Eine Szene spielt beim Chindlistein, wo sich zu Johannis ein Grüppchen zu einem mysteriösen Ritual versammelt; unter den Leuten ist auch die Agatha Roner. Man kann die Episode im Internet nachlesen; mehr Gewinn hat man freilich, wenn man das ganze Buch liest - es ist bemerkenswert gut geschrieben. Hier bloss ein Zitat:
"Der Johannismeister stand oben auf dem Kanzelstein. Er hatte sich das Fell eines Stierkopfes mit Hörnern übergestülpt. Seine Maske warf gespenstische Schatten an die Felswand über ihm. Vermummte Gestalten sassen oben beim Tanzplatz. Niemand sprach ein Wort. Alles ging höchst geheimnisvoll zu. Im Süden schimmerte der Mond durch die Tannäste bei der Raspla."

Dienstag, 13. Februar 2018

Kentologie

In Rot: Kent.
(Wikicommons)
Kent ist die alte Grafschaft im Südosten Englands. Die Einwohnerschaft wird traditionell in zwei Gruppen aufgeteilt: Die einen Leute sind die Men of Kent und die anderen die Kentish Men; für Frauen lauten die Bezeichnungen Maids of Kent und Kentish Maids. Wie alle Zuschreibungen dieser Art ist auch diese höchst fragwürdig, es gibt sowieso verschiedene Definitionen. Die häufigste ist geografisch: Östlich des Flusses Medway leben gemäss dieser Einteilung die Men of Kent und die Maids of Kent, westlich davon die Kentish Men und die Kentish Maids. Wie ich darauf komme? Nun, ich lese gerade einen historischen Roman, der kapitelweise in Kent spielt.

Montag, 12. Februar 2018

Lob der Nüchternheit

Die prähistorische Weidemauer in den Bubenauen, Mettmenstetten.

Die T-Hecke birgt zwei Mauern. Der
Hof ist der Haselhof. (GoogleMaps)
Im Rahmen meiner Megalithtour in und um Mettmenstetten im Säuliamt kam ich am Samstag zu den Bubenauen südlich des Dorfs. Dort verstecken sich in einer Hecke zwei prähistorische Mauern, eine davon ist imposant. Auf einer Tafel stand zu lesen, dass diese Steinreihe "ungefähr" auf die Kirche Mettmenstetten ausgerichtet sei. Zwar habe es die Kirche noch nicht gegeben, als die Steinreihe entstand - aber es sei ja möglich, dass sich am Ort der Kirche zuvor ein heidnischer Kraftort befand. Als ich das las, dachte ich wieder einmal, dass ich die Nüchternheit der professionellen Archäologen mag. Jedenfalls mehr als die selbsternannten Spezialisten. Wo auch immer im Land ein Stein steht, meldet sich garantiert ein grossformatiger Spekulierer und sagt, dieser Stein bilde eine Reihe mit anderen Steinen und ziele praktisch genau auf ... an dieser Stelle kommt meist Astronomisches, ein Stern oder die Sonne zur Zeit der Tag-und-Nacht-Gleiche oder, oder, oder. Nun, es gibt derart viele Dinge am Himmel und auf Erden, dass jede Objektreihe immer irgendetwas "ungefähr" anvisiert. Und was die Kirche am heidnischen Kraftort angeht: Tatsächlich kam es vor, dass ein Gotteshaus auf einen heidnischen Kultplatz folgte. Aber finden sich im Fall von Mettmenstetten konkrete Hinweise? Nenei!

Sonntag, 11. Februar 2018

Mein Megalith-Ründeli

Schöner Kloss: Teil der Weidemauer im Buechhölzli. Von dort stammt auch das kleine Foto.
Im Hintergrund auf beiden Fotos der Weiler Eigi.
Gestern war ich nicht fit, Halsweh und Bauchgrimmen. Doch ein bisschen Frischluft musste sein. Ich fuhr nach Mettmenstetten, um mir ein paar prähistorische Steine anzuschauen; das Säuliamt, also der Zürcher Kantonsteil südlich des Albisriegels, ist dafür berühmt. 2 1/2 Stunden war ich unterwegs, fand von meinen fünf Zielen drei, während ich in zwei Fällen unverrichteter Dinge wieder abzottelte; irgendwie gabs da ein Problem mit den Koordinaten, die ich aus dem Netz gefischt hatte.
Hier und heute zwei der drei Orte, an denen ich fündig wurde:
  • Beim Weiler Eigi gibt es ein Waldstück, das Buechhölzli. Dort zieht sich parallel zum Weg am Waldrand eine vorgeschichtliche Weidemauer von gut zehn Metern. 
  • Etwas weiter nördlich birgt der Rembrigwald gleich wieder ein uraltes Stein-Arrangement, das freilich weniger geordnet wirkt. Star der Gruppe ist ein Lochstein, wobei das kleine Loch nicht durchgeht. Welchem Zweck der Stein samt Loch diente, wissen wir nicht.
    Der Lochstein im Rembrigwald.
Was ich übrigens im Lauf der Unternehmung realisierte: Es ist ein Vorteil, wenn man sich im Winter auf Megalith-Tour begibt. Man hat es dann nicht mit Blattwerk zu tun, das die Steine verdeckt. Frohgemut begab ich mich am Ende heim. Und heute fühle ich mich schon viel besser.

Samstag, 10. Februar 2018

Autofan für eine Stunde

Man entschuldige die Qualität einiger Fotos, das Licht war schlecht. Aber faszinierend war diese Dauerausstellung von rund 50 Oldtimern aus der Anfangszeit des Automobils schon: was für Farben, was für Formen, was für protzige Scheinwerfer und verspielte Polsterungen und extravagante Reifen! Ich bin kein Autofan und war es für eine gute Stunde doch, kürzlich im Untergeschoss der Fondation Gianadda in Martigny. Dies ist die grösste Oldtimer-Sammlung der Schweiz.

Freitag, 9. Februar 2018

Hürlimanns Morgenmusik

Bastion des Katholizismus: Das
Kloster Einsiedeln. (Bild:
Roland Zumbühl/ Wikicommons)
In der NZZ war eben ein tolles Interview, muss man lesen, der Zuger Schriftsteller Thomas Hürlimann erzählt von seinen acht Jahren von 1963 bis 1971 als Stiftsschüler im Kloster Einsiedeln -  er erinnert sich präzise an die katholische Kultur von damals und beleuchtet auch deren allmählichen Niedergang. Schmunzeln muss man bei der Lektüre immer wieder. Hier ein Appetizer, es spricht Hürlimann:
"Für die Weckmusik war ein Präfekt zuständig. Der Ton wurde in die Schlafsäle übertragen, für den Präfekten jedoch, der die Platte abspielte, war sie nicht hörbar. Wir (...) gaben ihm eine Plattenhülle von Mozart, worin aber die Rolling Stones steckten. So erklang in den Schlafsälen um sechs Uhr früh I can't get no satisfaction."

Donnerstag, 8. Februar 2018

Zwei Mal Krokus

Krokus, die Band (mit Chris von Rohr, 2. von links). Von
Krokus, dem Fürsten, habe ich leider kein Foto.
(Bild: Wikommons/ Krokus)
Krokus ist bekanntlich die Solothurner Hard-Rock-Band mit Chris von Rohr. Krokus oder Crocus oder Chrocus hiessen aber auch zwei Alamannenfürsten zur Spätzeit des römischen Reiches. Der wichtigere der beiden führte die Alamannen um 259 über den Limes, den römischen Grenzwall, und drang bis nach Clermont vor. Was tat man dort? Richtig, man plünderte. Später wurde Krokus bei Arles gefangen und hingerichtet. So las ich das kürzlich in einem historischen Buch - es war das erste Mal, dass ich von Krokus hörte. Dem Alamannen, nicht der Band.

P.S. Gewusst? Alamannen oder Alemannen kommt ziemlich sicher von "Alle Mannen" und bezieht sich vermutlich auf den Zusammenschluss verschiedener Sippen oder Kleinstämme.

Mittwoch, 7. Februar 2018

You pay

Alles redet vom Bitcoin. Aber hey, es exisiteren noch andere Neo- und Nebenwährungen. In Zürich gibt zum Beispiel der "Sternen Grill" - der beim Bellevue mit der berühmten Bratwurst - alle möglichen Arten Jetons aus. Kürzlich nun ging mir eine Münze vom Hotel Central Plaza zu. Eine hübsche Hausprägung. Auf der Vorderseite prangt das Logo des Betriebs. Und die Rückseite dominiert ein Pfeil mit dem Schriftzug "you pay". Wenn man etwas getrunken hat, nimmt man die Münze und dreht den Pfeil in Richtung Kellner oder Kellnerin und muss somit nicht zahlen.

Dienstag, 6. Februar 2018

Schöne Böden

Die zwei Schutzgebäude.
1826 hob ein gewisser Samuel Rudolf Sutermeister 300 Meter südlich der Zofinger Altstadt eine Grube aus. Er stiess auf römisches Mauerwerk und Mosaiken - so wurde die Villa Rustica entdeckt, ein Gutshof aus der Römerzeit, der im Volksmund bald "Römerbad" hiess. Als ich am Sonntag in Zofingen war, begab ich mich hin; man findet den Ort leicht, indem man zur Bushaltestelle "Römerbad" geht und bei der Pizzeria "Da Vito", vormals Gasthof Römerbad, dem Hinweisschild zum Hirschparkweg folgt. Zu sehen gibt es zwei Mosaikfussböden in hervorragendem Zustand. Sie sind ganzjährig jeden Tag zugänglich, zwei Schutzbauten von 1830/31 schützen sie vor der Witterung und vermitteln auch ein wenig Antikefeeling. Vitos Pizza ("Elegante" mit Auberginen und Ricotta) war dann übrigens auch sehr gut; der Klassiktourist muss ja auch essen.

Montag, 5. Februar 2018

Mein Aargauer Sonntag

Die schöne Schorüti.
Ich bin ready, sagt das Haselzötteli.
Gestern morgen ging ich zeitig wandern, der Vormittag werde schöner als der Nachmittag, hatte das Radio gesagt. Meine Redaktionskollegin Salome hatte mir die Route empfohlen - in der Tat ein guter Tipp: Ich ging von der Bahnstation Kölliken-Oberdorf über die Hochwacht nach Zofingen und hatte viel Freude mit dem Weg. Sonntägliche Glockenklänge brandeten von Safenwil oder so hoch, Menschen hatte es praktisch keine unterwegs, das einsame Täli der Schorüti, in das ich Einblick bekam, war ein Idyll. Und tatsächlich zeigte sich im zweiten Teil der dreistündigen Wanderung, während ich nach Zofingen abstieg, die Sonne. Auch der Februar ist ein guter Wandermonat.
Zofingens Stadtheld Niklaus Thut.

Sonntag, 4. Februar 2018

Unser Held

Markus Walser (und die retouchierte Ronja).
Im Juni 2016 probierten wir das damals eben neu lancierte Palfries-Seilbähnli aus, das unweit von Sargans bei Heiligkreuz hinauf auf das Plateau von Palfries unterhalb des Alvier und Gonzen fährt. Dabei lernten wir Markus Walser kennen, den Präsidenten der Bahn-Genossenschaft, dem es massgeblich zu verdanken ist, dass die Seilbahn, die früher dem Militär gehörte, ein zweits Leben als Transporteurin von Wanderern und Bergsteigern geschenkt bekam. Darüber bloggte und kolumnierte ich. Gestern nun vernahm ich aus dem Radio, dass Markus Walser Held des Alltags 2017 geworden ist; das SRF-Publikum hat ihn erkoren. Hat er verdient, finde ich.

Samstag, 3. Februar 2018

Prähistorische Wehranlage und moderner Tunnel

Baustelle Eppenbergtunnel, beim Tunnelportal von Wöschnau.
(Bild: Bobo 11/ Wikicommons)
Als schweizweit aktiver Wanderer fährt man kaum eine Bahnstrecke öfter als die von Aarau nach Olten und vice versa. Der inländische Ost-West-Verkehr nutzt die Linie, internationale Züge wie TGV und ICE, aber auch die S-Bahnen; sie ist über die Massen beansprucht. Dabei gibt es im Abschnitt Schönenwerd-Däniken ein Problem. Einen Flaschenhals; der Sektor ist nur zweispurig geführt, während die Zubringer vierspurig angelegt sind. Der Eppenbergtunnel muss es ab 2020 richten, er ist über drei Kilometer lang, kostet um die 850 Millionen Franken und wird das Spurdefizit im Rahmen einer neuen Linienführung beheben. Gestern war Durchstich, als ich davon hörte, fiel mir wieder ein, wie wir vor zwei Jahren von Olten nach Aarau liefen und aus der Höhe auf die gewaltige Bahnbaustelle blickten. Und gleichzeitig hatten wir damals im Rücken eine prähistorische Wehranlage - auch sie ist ein Stück Eppenberg.

Freitag, 2. Februar 2018

Das Problemchen mit dem Honigstein

Das Wahrzeichen von Roggliswil LU: der Honigstein.
Erste Ansicht des Steins bei der Annäherung von Norden.
Ja, schon wieder ein Findling! Ich habs erwähnt: Ich bin im Moment auf dem Stein-Sammel-Trip. Der Honigstein steht auf Boden der Gemeinde Roggliswil LU etwas ausserhalb des Dorfes in der Netzelen; so heisst auch die nahe Bushaltestelle. Eigentlich ist der Name des Steins verwirrlich. Tatsächlich gibt es ein Mineral Mellit, das umgangssprachlich "Honigstein" genannt wird; allerdings ist dieses Mineral sehr selten - und sicher besteht der Luzerner Honigstein nicht aus Mellit. Vielmehr gibt es in der Nähe einen Hügel, die Honegg; der Findling war wohl zuvor ein "Honeggstein". Er besitzt eine eigene Kuppe und ist dank der exponierten Lage zum Wahrzeichen des Dorfes geworden, das ihm freilich früher nicht mit Ehrerbietung begegnete: Auch dieser Findling nämlich hielt als Steinlieferant her - in diesem Fall beim Bau eines örtlichen Schulhauses sowie der nahen St. Wendelinskapelle. 1932 kaufte der SAC, Sektion Luzern, den Boden, auf dem der Stein hockt, seither steht er unter Naturschutz. Darauf verweist eine Tafel mit folgendem Gedicht: "Vom fernen Wallis kam ich einst her auf des Rhonegletschers eis'gem Rücken, und jetzt gestrandet, verlassen und bedroht von Geldes und arger Menschen Tücken, steht mir der SAC zu treuer Wehr."

Hübsch. Ein Problemchen hatten wir allerdings, als wir am Mittwoch von der Strasse den Fussweg zum Stein nahmen. Kurz vor diesem hatte ein Bauer zwei Zäune über den Weg gesteckt, wir mussten diese überklettern. Nun habe ich mich bei der Gemeindeverwaltung erkundigt, ob das immer so ist und also der Honigstein gar keine Besucher anziehen soll.

Donnerstag, 1. Februar 2018

Ein Kotelett gegen den Giftwind

Wanderertreibstoff.
Die gestrige Wanderung zerfiel in drei praktisch gleich lange Etappen von je gut 1 1/2 Stunden; jede Etappe führte von einem Dorf auf eine Krete oder Hochebene und dann hinab ins nächste Dorf. Etappe eins: von Roggliswil LU nach Altbüron LU. Etappe zwei: von Altbüron nach Gondiswil BE. Etappe drei: von Gondiswil nach Huttwil BE. Drei Dinge sind insbesondere zu erwähnen.
Ein Opfer von Burglind.
  1. Der perfide Giftwind. Hätte man auf einer der Hochebenen einen Ochsen ausgesetzt, er wäre binnen fünf Minuten tot umgefallen.
  2. Waldschäden, Waldschäden, Waldschäden. Manche Pfade waren bestreut mit den Resten monströser Abräumarbeiten: Tannenäste überall. Manchenorts sahen wir im feuchten Boden die Spuren grosser Fahrzeuge. Und einige Male mussten wir über umgestürzte Tannen klettern. Burglinds Schäden voll und ganz zu beseitigen, geht nicht so schnell.
  3. Das Schweinskotelett im Rössli zu Gondiswil: grosse Klasse - geht da hin, Leute! Perfekt gebraten war das Stück, dick und weissfaserig und gefühlte 350 Gramm schwer. Es spendete Kraft für den Rest der Route, half beim Aushalten des Giftwindes und Überwinden der Tannen.