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Samstag, 27. Mai 2017

Bahnschleichen

Die Österreichischen Bundesbahnen (Logo):
Von den Schweizern gebremst.
Gestern war eine gute Bahngeschichte im Tagi. Sie schildert, dass österreichische Fernzüge oft mit kleiner Verspätung an der Schweizer Grenze ankommen, um sich dann innerhalb der Schweiz eine massive Zusatzverzögerung zuzuziehen; sie ruckeln und zuckeln Richtung Zürich, halten immer wieder mal an, Schweizer Züge brausen vorbei. In Zürich ist die Verspätung dann oft auf eine halbe oder gar ganze Stunde angewachsen. Die SBB haben eine Regel aufgestellt, an die sie sich auch halten: Kommt ein Zug aus Österreich mehr als sieben Minuten zu spät ins Land, wird er im Bahnnetz der Schweiz nachrangig behandelt, der Regionalverkehr hat Vorrang. Ist das okay? Ich denke, ja, denn es nervt, wenn ausländische Züge verspätet unterwegs sind und nachher die hiesigen Verbindungen leiden. Letztlich ist es eine Frage der Anzahl Reisenden - welche Gruppe ist kleiner, die zurückgesetzt wird?

Freitag, 26. Mai 2017

Wo waren die Schmetterlinge?

Surreale Landschaftsmöblierung: Hier wird St. Galler
Haselnussöl produziert. Der Bauer presst es kalt. 
Plakat mit den erlaubten Wegen durchs Hudelmoos.
Im Frühling ging ich von Amriswil zum Wasserschloss Hagenwil, nach dem Zmittag dort musste ich heim. Gestern setzte ich in Hagenwil wieder an, um die Wanderung zu vollenden; ich hielt via Hueb, Hudelmoos und Riet nach Zihlschlacht, das war schön. Speziell erwähnt werden muss natürlich das Hudelmoos, ein Hochmoor, dem der Torfabbau von einst zugesetzt hat; der Teil, der überlebt hat, steht heute unter Schutz und ist ein Bijou. Ich genoss es, dort herumzustreifen, natürlich auf den offiziellen Wegen. Etwas frustriert war ich nur, weil ich keinen einzigen Schmetterling sah, laut Pro Natura hat es im Hudelmoos 210 verschiedene Schmetterlingsarten.

Donnerstag, 25. Mai 2017

Geschenkidee

Ist das ein Witz? Da runter? Über die senkrechte Wand?
Bergstation des Alp-Sigel-Bähnleins im Alpstein.
Unsere hiesigen Seilbähnli sind ebenso reizend wie bedroht; nicht immer ist die Finanzierung mittel- oder gar langfristig sicher. Und doch hängt manche Alp unmittelbar von diesem Transportmittel ab. Jetzt gibt es ein Quartett, das in 32 Karten kleine Schweizer Seilbahnen feiert. Ich finde das eine hübsche Idee, das Quartett ist dazu auch ein ideales Präsent für alle, die am Auf und Ab in der Minigondel Freude haben. Vom selben Anbieter gibt es übrigens auch ein Hüttenquartett. Ein Seenquartett. Sowie ein Gipfelquartett. Und jetzt wünsche ich eine schöne Auffahrt!

Mittwoch, 24. Mai 2017

Turmgau

O
(Film-Screenshot/ B. Lenzin, Ermatingen)
Toll! Seit dem Wochenende ist der Napoleon-Turm auf dem Hohenrain offen, einem Hügel oberhalb von Ermatingen bei Wäldi im Kanton Thurgau. Man sieht von der 34-Meter-Plattform wunderbar weit in die Gegend, speziell natürlich auf den Untersee und die Insel Reichenau. Das Bauwerk ist auch ein Zitat. Es erinnert an das Belvédère zu Hohenrain, einen Aussichtsturm, der 1829 entstand und angeblich auf die Anregung des jungen Prinzen Louis Napoleon zurückging, des späteren französischen Kaisers Napoleon III., der im Thurgau einen Teil seiner Jugend verbracht hatte. 1855 wurde dieser erste Turm wieder abgebrochen. Auf Youtube gibt es zu dem heutigen Modell einen schönen kleinen Film, von dem auch mein Screenshot stammt.

Dienstag, 23. Mai 2017

Gewichtheben und Trinken: heikel!

Dieses lustige Plakat gegen zuviel Alkohol war überall, als wir am Sonntag in der Ostschweiz unterwegs waren; ich fotografierte es auf dem Bahnhof Heerbrugg. Nun hoffe ich, dass die Aktion viele Gewichtheber anspricht!

Montag, 22. Mai 2017

Jahwe und die Frauen

Stolze Frau: Figur der Göttin Aschera, Judäa, um 700 vor unserer Zeitrechnung.
In einer Inschrift von damals ist die Rede von "Jahwe und seiner Aschera".
Hatte demnach der jüdische Gott einst eine Gefährtin oder zumindest Helferin?
(Die Figur ist ausgestellt, fotografiert habe ich sie aber ab Katalog.)
Vor dem Museum.
Gestern eine Visite im Jüdischen Museum Hohenems - einem Erinnerungsort. Juden hat es im Vorarlberger Städtchen gleich ennet der Schweizer Grenze im St. Galler Rheintal kaum noch; die Synagoge wurde in den 1950er-Jahren zum Feuerwehrhaus umgemodelt, nachdem ihre Benutzer vor den Nazis längst geflohen oder durch diese deportiert und umgebracht worden waren, zurück kam praktisch keiner. Von der einstigen Präsenz der Juden, von ihrem angestammten Viertel zeugt also besagtes Museum in einer Villa, die früher einer jüdischen Familie gehörte. Derzeit und noch bis Oktober gibt es dort eine interessante Ausstellung: "Die weibliche Seite Gottes" handelt davon, dass die monotheistischen Religionen nicht hundertprozentig monotheistisch starteten. Bis Gott als alleiniger Himmelsherr übrig blieb, musste er doch einiges an weiblicher Konkurrenz beiseite schieben. Im Judentum dauerte es Jahrhunderte, ehe Jahwe, der als Lokalgott begonnen hatte, all die Göttinnen des alten Orients wirklich losgeworden war. Wer mehr wissen will darüber und über verwandte Themen wie die erotische Eva-Konkurrenz Lilith und die Umwandlung der stillenden Isis in die stillende Maria, der oder die muss hin.

Die Anreise ist einfach: Vom Bahnhof Heerbrugg fährt jede Stunde ein Bus nach Hohenems, Schlossplatz; man ist von dort in drei Gehminuten beim Museum. Was es sonst in Hohenems zu sehen gibt - demnächst etwas mehr dazu in einem neuen Eintrag.

Sonntag, 21. Mai 2017

Tipplzu

Diepoldsau ist heute zum grossen Teil eine Insel.
(Tschubby/ Wikicommons)
Der 18. April 1923 war für die Leute von Diepoldsau ein spezieller Tag. Vielleicht war er gar der speziellste der Gemeinde, die damals durch eine kontrollierte Explosion grossteils zur Insel wurde. Zuvor hatte man ein neues, schnurgerades Rhein-Bett ausgebaggert. Und nun wurde der Damm gesprengt und das Wasser floss geradeaus; der bisherige, weit nach Osten ausholende Flussverlauf stieg durch die Korrektur sozusagen zum Gewässer zweiter Klasse ab. Auch zerfällt der Alte Rhein bei "Tipplzu", wie die Einheimischen den Ortsnamen aussprechen, in mehrere Abschnitte, die bloss durch schmale Bäche verbunden sind. Ich freue mich, das heute mal aus der Nähe zu sehen auf dem Weg nach Hohenems gleich ennet der Grenze auf österreichischem Boden; ah ja, auch das muss zur Geografie noch gesagt werden: Nach wie vor bildet der Alte Rhein die Landesgrenze. Weshalb aber die Reise nach Hohenems? Davon in einem späteren Eintrag mehr, vielleicht morgen, vielleicht übermorgen.

Samstag, 20. Mai 2017

Böniger und die Gütesiegel

Die Sonne scheint: eines der Gütelabel.
(Kintante/ Wikicommons)
Verdienstvoll! Mein Redaktionskollege Daniel Böniger, einer der Tagi-Gastrokritiker, ein kompetenter Mann, brachte gestern in der Zeitung eine Seite mit einer Übersicht über die diversen Lebensmittel-Labels. Er beschreibt sie, er zeigt, was sie bringen, und auch, an was es ihnen allenfalls mangelt. Eine gute Sache: Pro Specie Rara, Coop Naturafarm, KAGFreiland und viele andere Labels in der Übersicht. Ich habe die Seite zuhause am Kühlschrank fixiert.

Freitag, 19. Mai 2017

Föisc? Föisc!

Sie tragen blumige Namen wie Pizzo di Brünesc, Toronit, Poncione di Tremorgio oder Föisc, sie sind mal abweisend und mal einladend, sie stehen zum einen nur den Kraxlern zur Verfügung und zum anderen auch den Gemütlichwanderern - und eines verbindet sie: Es sind Tessiner Berge. Ein neuer, schön gemachter Führer von Daniel Anker und Thomas Bachmann stellt 85 Wanderungen zwischen Gotthard und Generoso vor, er heisst "Gipfelziele im Tessin" und sei hier allen empfohlen, die öfters im Süden zu Berg wollen.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Dürrenmatt, die Zeit, der Fels

Schöner wohnen? Kaum denkbar. Terrassenblick vom Centre Dürrenmatt,
dem früheren Haus Friedrich Dürrenmatts, auf den Neuenburgersee. 
Auf dem Sentier du Temps: ein
Herrerasaurus, ein Frühdino.
Das war gut gestern. Ich fuhr früh los, war um 8 Uhr 55 auf dem Neuenburger Hausberg Chaumont. traf oben vor dem Funiculaire als erstes einen Lehrer, der mit seinen Schülern auf dem Berg im Klassenlager weilte und nun hinabfuhr für einen Ausflug anderswo in der Gegend; es war mein früherer Redaktionskollege B., der den Beruf gewechselt hat, er sah sehr zufrieden aus. Ich vermutlich ebenfalls, wie auch nicht, bei dem Wetter. Nun ging ich den Sentier du Temps hinab, auf dem man vorgeführt bekommt, wie auf der Erde allmählich pflanzliches und tierisches Leben aufkam und sich entwickelte. Am Ende des Themenweges, beim Rocher de l'Ermitage, der gewaltig den Hang über Neuenburg dominiert, machte ich einen Abstecher zum Centre Dürrenmatt. Doch, Friedrich Dürrenmatt wohnte stilvoll; leider war das Museum, das aus seinem Haus hervorgegangen ist, grad noch nicht offen. Warten mochte ich nicht. Ich ging wieder hinauf zum Rocher de l'Ermitage, genoss die Aussicht und stach auf einem Indianerpfad nieder Richtung Bahnhof, wobei ich auch noch den Botanischen Garten würdigte. Das war gut gestern. Wirklich gut.
So begann die Unternehmung: Fahrt im Funiculaire auf den Chaumont.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Die Herren aus dem Moor

Die zwei wirken wie Schatten oder Silhouetten oder Scherenschnitte, doch erkennt man beim Nähertreten und genaueren Hinsehen: Das sind menschliche Körper, die bloss ziemlich flachgedrückt sind. Körpersäcke sind es, Hauthüllen, denn Fleisch und Knochen sind längst entschwunden. Um die "Männer von Weerdinge" handelt es sich, zwei Moorleichen, die 1904 in den Niederlanden gefunden wurden. Gelebt haben sie in der Zeitenwende. Ein unnatürlicher Tod wird vermutet. Gesehen habe ich das Duo in der Basler Mumien-Ausstellung, um die es hier auch schon ging. Sie ist mittlerweile beendet.

Dienstag, 16. Mai 2017

Draussen schlafen

Ein bisschen Klatsch ist doch sicher willkommen. Man nennt es auch "Personalia". Als ich in den Neunzigerjahren bei der "Berner Zeitung" den Jungredaktor im Stadt-Bern-Ressort gab, hatte ich ab und zu mit Markus Kellenberger zu tun. Er betreute mit zwei, wenn ich mich recht erinnere, weiteren Leuten die "Bernseite", die Aufschlagseite des Lokalbundes; Susanne Hochuli, die später im Aargau Regierungsrätin wurde und nun, nachdem sie das Amt abgegeben hat, durch Deutschland Richtung Norden weitwandert, war auch in dem Ressort. Die Berner Connection spielt bis in die Gegenwart: Susanne und ich sind Kolumnisten beim Heft "natürlich", das, jawohl, von Markus redigiert wird. Womit ich beim eigentlichen Anliegen dieses Eintrages angekommen bin: Markus hat im AT Verlag soeben ein sehr schönes Buch publiziert. "Draussen schlafen" behandelt alle Aspekte des Nächtigens unter freiem Himmel und ist so souverän und locker geschrieben, wie ich mir das seit Urzeiten von Markus gewohnt bin.

Montag, 15. Mai 2017

Gorges du trou de la colombe

Les Gorges du Taubenloch avec la Suze.
Ein Nachtrag zu meiner Wanderung durch die Bieler Taubenlochschlucht, ich finde da nämlich eine Sache irritierend. Alles in der Gegend ist zweisprachig: Biel/ Bienne. Schüss/ Suze. Frinvillier/ Friedliswart (veraltet). Bözingen/ Boujean. Plagne/ Plentsch oder Pläntsch. Ausgerechnet die Taubenlochschlucht aber, dieses touristische Bijou, ist bloss halb französisch: Gorges du Taubenloch. Warum nur? Ist es, weil "Gorges du trou de la colombe" zu umständlich klänge? Jedenfalls ist die Möglichkeit im Deutschen, Wörter ineinander zu klinken wie Legosteine, eine geniale Sache. Findet der Wanderblogschreiber.

Sonntag, 14. Mai 2017

Unternehmen Taubenloch

Nicht jede Stadt hat eine Schlucht. Biel hat eine.
Am oberen Ende der Taubenloch-
schlucht kommt man zum
Restaurant des Gorges.
Ab September arbeite ich bei der "Schweizer Familie" und will dort - gemäss dem Namen der Zeitschrift - noch mehr als bisher familientaugliche Wanderungen präsentieren. Gestern machte ich eine, die passt: Von Biel-Taubenloch (Bus) ging ich an der Schüss die Taubenlochschlucht hinauf bis zu deren oberem Ende. Kehrte im Restaurant des Gorges ein und trank ein Coci. Ging dann via Lysserbrunnen durch den Malewagwald zur Sonnhalde am oberen Stadtrand. Das dauerte bloss knapp zwei Stunden, war aber ereignisreich, nein spektakulär dank der Schlucht eben, die 1889 durch den SAC als Weg für Fussgänger erschlossen worden war - man gerät als Fussgänger in ein Schattenreich mit Treppen, Stegen, Tunnels, überhängenden Fluhen, sieht aber auch immer wieder Bauten der Stromwirtschaft. Schilder erklären Flora, Fauna, die Anlagen am Weg.

Was ich leider erst realisierte, als ich wieder heimfuhr: In der Nähe liegt bei Frinvillier das Martinsklafter. Dort gibt es Spuren eines Verkehrsweges der Römer sowie eine in den Fels geschlagene Nische, in der einst eine römische Inschrift geprangt haben mag. Vielleicht. Sicher ist, dass die Römer die Taubenlochschlucht selber umgingen. Ich will bald noch einmal hin, um mir diese Römersache anzuschauen.
Hey, Biel, ich weiss, du bist eher arm. Aber dieses Schild musst du ersetzen.

Samstag, 13. Mai 2017

Vinylplatte und Chemp

Zweites Unspunnenfest bei Interlaken im Jahre 1808.
(Zeichnung M. Mongin/ Wikicommons)
Im Ancien Régime war das Verhältnis zwischen den einfachen Leuten und der Oberschicht oft angespannt, immer wieder mal brach ein Aufstand aus. Und dann kam Napoleon und zerschlug das alte Herrschaftsgefüge, das damit freilich noch nicht endgültig beseitigt war. 1805 investierten vier Bernburger in ein Fest, das die Stadt Bern mit dem Berner Oberland versöhnen sollte und in der Nähe von Interlaken stattfand: Das Unspunnenfest war geboren. Schwingen, Steinstossen, Alphornblasen waren Disziplinen, in denen sich die Bauern aneinander massen. Die Nachricht von dem Hirtenvolk und seinen herkulischen Betätigungen sprach sich in ganz Europa herum, das half massgeblich, den Tourismus in der Schweiz zu begründen. Heuer ist wieder einmal, vom 26. August bis 3. September, Unspunnenfest. Wer mehr zu dem Ritual, seinen Ursprüngen, dem 83,5 Kilo schweren Unspunnen-Stein ("dr Chemp") wissen will, lese die "Schweizer Familie". Zitat aus dem Interview mit dem Folklore-Kenner Martin Sebastian: "Viele Junge hocken ja nur noch da und starren in ihr Smartphone. Jodeln, Trachten und Volkstanz - das ist wie die Vinylplatte, du hast etwas in der Hand."

Freitag, 12. Mai 2017

Oberegg sieht man doppelt

In der Mitte in Rotstufen Innerrhodens Inneres Land. Rechts ebenfalls
in Rot zweigeteilt das Äussere Land. (Tschubby/ Wikicommons)
Irgendwie war ich nicht auf Innerrhoden gefasst, als ich kürzlich im Appenzeller Vorderland von der Meldegg nach Wilen hielt, um via Tritt Richtung Berneck abzusteigen. Meldegg und Wilen gehören zu Appenzell Ausserrhoden, Berneck samt Tritt zum Kanton St. Gallen. Aber: Dazwischen ging ich zwischen Wilen und Tritt knapp zehn Minuten lang über Innerrhoder Gebiet, der Landspickel gehört zu Büriswilen AI; so stand es auch auf einem Strassenschild. Ich musste mal kurz auf die Wikipedia, um mir die geografischen Fakten wieder plastisch vor Augen zu holen. Also, es ist so: Der Kanton Appenzell Innerrhoden besteht aus sechs Bezirken; anderswo in der Schweiz würde man sie "Gemeinden" nennen. Fünf davon gruppieren sich säntisnah zu einem Kreis: Es sind Appenzell (Hauptort des Kantons), Rüte, Schwende, Gonten und Schlatt-Haslen; man spricht vom "Inneren Landesteil". Den Äusseren Landesteil bildet ein einziger Bezirk, Oberegg. Dessen Gebiet ist freilich durch die gipfeliförmige Ausserrhoder Gemeinde Reute in zwei Teile geteilt, man sieht das auf der Karte sehr schön. Der westliche Teil des Äusseren Landes mit dem Dorf Oberegg heisst auch "Oberer Gang", der östliche ist der "Untere Gang", zu ihm zählt Büriswilen, wo ich unterwegs war. Der Grenzverlauf in dieser Gegend ist der Reformation geschuldet, wegen der es ja überhaupt zwei Appenzell gibt. Die Bauern, die katholisch bleiben wollten, verharrten mit ihrem Land bei Innerrhoden, die anderen, sogenannt Neugläubigen kamen zu Ausserrhoden. A propos Konfession: Zu Innerrhoden zählen zwei weitere, noch viel kleinere Exklaven auf Ausserrhoder Gebiet. Es sind die Klöster Grimmenstein und Wonnenstein. Huch, was ist das Schweizchen kompliziert.

Donnerstag, 11. Mai 2017

Unfreundlicher Preis

Ich bin der Freund des Freundes des Fischers; ich mag Fisherman's Friend sehr und kaufe mir oft ein Päckchen, wenn ich wandern gehe. Den Preis von bis zu 2 Franken 90 fand ich schon immer absurd und dachte dann nur: Ja, ja, man weiss es, Hochpreisinsel Schweiz und so. Gestern erklärte es mir der Tagi genauer: Fisherman's Friend zählt bei uns absurderweise zu den frei verkäuflichen Medikamenten; bei dieser Gruppe sind Parallelimporte in die Schweiz verboten, nur der offizielle Importeur darf die Pastillen einführen. Und so kommt es, dass der Preis hoch bleibt. In Deutschland gibt es ein Päckchen für 89 Cent. Ich glaube, ich wandere demnächst mal wieder im Ausland.

Mittwoch, 10. Mai 2017

Die Wintervernichter aus Reinach

Feigenwinters mögen vielleicht
Feigen, haben aber etymologisch
nichts mit ihnen zu tun.
(Wikicommons)
Sprechende Namen sind oft nicht das, was sie vorgeben. Braunwald hat nichts mit "braun" zu tun, sondern mit "Brunnen"; die Gegend ist quellreich. Hundwil wiederum hat zwar einen Hund im Wappen, der Name kommt aber von einem alemannischen Siedler namens Hunto. Ebenso trügerisch ist der Familienname Feigenwinter: Er geht zurück auf das Mittelhochdeutsche "Veig den Winter", was soviel bedeutet wie "Vernichte den Winter". Möglicherweise ist der Zusammenhang der eines mittelalterlichen Fasnachtsfeuers, bei dem der Winter symbolisch verbrannt wurde. Heimisch sind die Feigenwinter in Reinach BL, einer durchaus fasnachts-affinen Gegend.

Man nennt Namen wie Feigenwinter "Satznamen", weil sie aus einem Satz bestehen. Weitere Beispiele sind: Hablützel (einer, der "lützel", also wenig, hat). Haudenschild. Klopfenstein. Spaltenstein. Und hier noch die Quelle: Es ist das schon einmal erwähnte Büchlein "Fleischli, Luder, Schlumpf. Schweizer Namen - gründlich erklärt" aus dem Orell Füssli Verlag.

Dienstag, 9. Mai 2017

Walser und die Kunst des Gehens

Robert Walser, vor 1900. (Wikicommons)
Der Dichter Robert Walser war ein ziemlich militanter Wanderer; wer etwa das Buch "Wanderungen mit Robert Walser" von seinem Mentor Carl Seelig kennt, weiss, wovon ich spreche - die Distanzen, die da in totaler Ungerührtheit unter gelegentlicher Visite im einen oder anderen Biergarten abgespult wurden: einschüchternd. Und daher weiss ich jetzt nicht, ob Walser nur die gemässigte Teilmenge seiner fussgängerischen Unternehmungen oder doch deren Gesamtheit meinte, als er sagte: "Ohne Spazieren wäre ich tot." Waren Spazieren und Wandern für ihn zwei Dinge? Vielleicht erfährt man ja auch darüber etwas an der kommenden Tagung "Spazieren muss ich unbedingt" über "Robert Walser und die Kunst des Gehens". Sie findet in Bern vom 18. bis 21. des Monats statt - und natürlich gibt es auch einen Spaziergang. Stadtwanderer Benedikt Loderer führt die Teilnehmer an die Berner Lebensorte Walsers.

Montag, 8. Mai 2017

Der Langstreckenbericht

Medaille des New York Marathon.
(Reinhard Kirchner/ Wikicommons)
Vor einer knappen Woche erzählte ich im Blog, dass Zürich jetzt eine fix ausgesteckte Marathonstrecke hat, die natürlich auch Wanderern offensteht. Wanderfreund und Wanderblogger Edwin hat sie am Freitag, als das Wetter noch erfreulich war, bereits getestet, hier geht es zu seinem Bericht - man bekommt Lust, gleich auch zu marathonen. Edwins Fazit: "Der Green Marathon ist eine wunderbare Variante, die Natur und Kurioses am Rand von Zürich zu erkunden und dabei viel Panorama zu geniessen."

Sonntag, 7. Mai 2017

Geschmückt ins Jenseits

Die Kelten und ihre Verbreitung: hellgrün/gelb die grösste
Ausdehnung um 275 vor Christus. Ja, in Zürich gabs
damals auch welche. (Augusta 89/ Wikicommons)
Im Boden des Schulhauses Kern im Zürcher Kreis vier haben Archäologen ein Grab entdeckt. Darin begraben liegt eine Frau, die Datierung weist auf die Zeitspanne von 250 bis 200 vor Christus; so stand es gestern in der Zeitung. Die Tote, eine Keltin, ist in einem Baumsarg beigesetzt, dessen faserige Überreste noch gut erkennbar sind. Vom Skelett bleiben bloss Schädelteile, dafür sind die Grabbeigaben schön erhalten: eine Gürtelkette aus Bronze, ein bronzener Armreif, Brustschmuck aus Glasperlen und Bernstein.

Samstag, 6. Mai 2017

Zweites Leben einer Bahnbrücke

Der  Grandfey-Viadukt im 19. Jahrhundert. Die Saane war
damals noch nicht zum Schiffenensee aufgestaut. Und der
Viadukt noch eine reine Eisenbrücke. (Wikicommons)
Letzte Woche schrieb ich in meiner Tagi-Wanderkolumne über die Magdalena-Einsiedelei am Schiffenensee - und wieder einmal stelle ich fest: Die vielen Leser wissen stets mehr als der eine Journalist. In diesem Fall weist mich ein freundlicher Briefschreiber darauf hin, dass ich den nahen Grandfey-Bahnviadukt verpasst habe; bloss 25 Minuten entfernt liegt er von der Einsiedelei, man befährt ihn, wenn man im Zug von Bern nach Freiburg reist. Was ich nicht wusste: Der Grandfey-Viadukt enstand 1862 als reine Eisenkonstruktion und galt damals als bedeutendster Brückenbau im Land. 1926 wurde er sozusagen wiedergeboren, man hatte Teile einbetoniert und aus der Eisen- faktisch eine Betonbrücke gemacht. Und was ich auch nicht wusste: Man kann die Brücke als Fussgäner begehen, unter der Bahntrasse gibt es einen Gehweg, der beidseitig von Arkaden flankiert wird. Ich muss wohl noch einmal hin.

Freitag, 5. Mai 2017

Der Löwenmensch von Stadel

Ein Schamane? Könnte sein. (Dagmar Hollmann/ Wikicommons)
Der Löwenmensch von Stadel, einem Ort zwischen Stuttgart und München, fasziniert mich. Gut 30 Zentimeter hoch ist die Statuette aus Mammut-Elfenbein und gilt als eines der ältesten Kunstwerke der Menschheit; vor gut 32 000 Jahren entstand sie. Der Kopf ist der eines Löwen, der Körper eher der eines Menschen - die Figur bezeugt, dass damals Homo Sapiens schon die Fähigkeit besass, sich Dinge vorzustellen, die es in der Realität nicht gibt, er hatte Fantasie. Ob der Löwenmensch Teil eines Kultes war, wissen wir nicht. Auf ihn zu sprechen komme ich, weil ich gerade ein packendes Buch lese: "Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Noah Harari. Darin ist die Statuette erwähnt - als Beleg frühmenschlicher Imagination und Kreativität eben.

Donnerstag, 4. Mai 2017

Hier gehts zur Liebe

In der Bahnunterführung Zollikerberg fotografiert: der direkte Wanderweg ins Glück. Allerdings fehlt eine Zeitangabe.

Mittwoch, 3. Mai 2017

Das Gruselband von Kandersteg

Hübscher Titel des Portfolios.
Der Oeschinensee nah Kandersteg liegt in einem Felskessel. Dessen östliche Wand ist besonders glatt und abrupt - kaum vorzustellen, dass man sie einigermassen horizontal durchqueren kann. Kann man aber. "Untere Fründenschnur" heisst das grüne Band mitten im Grau des Steins, der Weg ist stellenweise schuhbreit und arg ausgesetzt, man geht 200 Meter über dem Wasser. Wenigstens ist seit einigen Jahren ein Sicherheitskabel montiert, man kann sich mit Karabinern einklinken. Mir würde aber, ich gestehe es, der Mut fehlen, mich in die Fluh zu wagen. Das neue "Wandermagazin Schweiz" (05/17) widmet der Fründenschnur ein tolles Foto-Portfolio, sehr empfehlenswert.

Dienstag, 2. Mai 2017

Marathonwandern in Zürich

Die erste fixe Marathonstrecke der Schweiz. (Screenshot)
Zürich hat neuerdings eine permanente Marathon-Strecke, es ist die erste fix ausgesteckte der Schweiz. Start- und Endpunkt ist originellerweise die Rio Bar unweit des Hauptbahnhofs. Weisse Schilder mit grünem Logo führen von dort an den See und in weitem Bogen, lange auch durch den Wald, wieder zum Ausgangspunkt. Eingesessene Zürcherinnen und Zürcher könnten auf der Strecke die Stadt und ihre Natur neu entdecken, sagt die Präsidentin des Vereins Green Marathon - der Weg sei beileibe nicht nur für Marathonläufer gedacht, sondern zum Beispiel auch für Wanderer. Lust auf die Langstrecke? Hier geht es zu den nötigen Angaben.

Montag, 1. Mai 2017

O du mordsschöne Meldegg

Weitblick aufs Rheintal hinab und dieses hinauf: Ihn geniesst man von...
... der Terrasse des Restaurants Meldegg bei Walzenhausen AR
Unterhalb der Meldegg: Weg durch die Reben.
Für gestern war ich verabredet, eine Nicht-Wander-Sache. Aber dann kam am Vorabend spät die Absage, und ich beschloss, am Sonntag ein wenig ins Gelände auszuziehen. Schon lange hatte ich die Meldegg im Auge gehabt, eine Wirtschaft hart an der Geländekarte des Appenzeller Vorderlandes, wo dieses nah Walzenhausen sozusagen abbricht; wenn man über die Brüstung blickt, sieht man ins Rheintal hinab und hinüber ins Vorarlbergische - ich erinnerte mich, weil ich vor Jahrzehnten einmal da gewesen war. Während der einstündigen Postautofahrt von St. Gallen via Heiden Richtung Leuchen, Walzenhausen war ich leicht beunruhigt: Ich trug turnschuh-artige flache Lowa, und die Hügel um Rehetobel waren tiefweiss, als sei es Februar; an den Strassenrändern türmten sich Schneehaufen von der letzten Räumung. Doch einige Zeit vor Wanderstart tauchte der Bus in die Föhnzone, und auf einmal war alles grün. Meine Route fand ich beglückend, auch wenn die Meldegg-Wirtschaft wegen Ferien zu war; die Sonne, die Wärme, das Panorama und die Einkehr im Wilden Mann bei Leuchen (Schweinsbraten, Pommes Frites, Gemüse, ein Panasch, noch ein Panasch) stimmten mich froh. Hier die Eckdaten der Unternehmung, die ich zur Nachahmung empfehle: Leuchen - Meldegg - Wilen - Tritt - Rüden - Restaurant Frohe Aussicht - Hard - Meldegg - Leuchen, Restaurant Wilden Mann - Bollenstein - Glaserholz - Gletscherhügel - St. Margrethen, Bahnhof. 2 1/2 Stunden, 266 Meter aufwärts, 483 Meter abwärts. Und das Buch zur Wanderung: "War's Mord auf der Meldegg?" von Jon Durschei mit dem famosen Pater Ambrosius als Ermittler.

Sonntag, 30. April 2017

Das Geheimnis der Kultwaffel

Wander-Extra-Auftakt in der Schweizer Familie.
In der "Schweizer Familie" ist diese Woche ein langes Wander-Extra "Berner Oberland" drin, an dem ich mitgearbeitet habe in Form eines zweiseitigen Intros. Kauft das Heft doch bitte am Kiosk, liebe Wanderinnen und Wanderer; ich wechsle ja bald zur SF und wünsche mir, dass das Geschäft läuft. Und ganz sicher ist das Extra gediegen fotografiert und schön geschrieben mit tollen Touren und Tipps.

Mein bloggender Freund Jürg Zimmermann hat eben die Firma Kägi Söhne AG in Lichtensteig besucht, jawohl, die machen das Kägi Fret, von dem ich monatlich etwa zehn oder so Stück auf meinen Wanderungen esse. Jürgs Eintrag lohnt die Lektüre, hier nur eine kleine Sache von vielen, die ich gelesen und gelernt habe: Den Schoggiüberzug der Waffeln fertigt man seit 1960 im Hause selber. In sogenannten Conchen, speziellen Rührwerkmaschinen, wird die Schoggi während 52 Stunden verarbeitet und veredelt. Schon brutal, dieses Missverhältnis, ich brauche zum Essen einer Packung mit zwei Waffeln circa zwei Minuten.

Samstag, 29. April 2017

Gestern an der Lorze

Gestern an der Lorze: das Restaurant Höllgrotten.
Im Zug heimwärts spielten wir weiter.
Mein Ausflug gestern mit meinen Neffen, zwei Buben im Primarschulalter - was für ein Flop, was für ein Reinfall! Und gleichzeitig hatten wir jede Menge Spass, so dass der Tag als Ganzes doch in Zufriedenheit endete. Eigentlich wollte ich mit den Buben in Glattbrugg Kamelreiten gehen, doch bei dem Gehudel mussten wir das vergessen. Stattdessen fuhren wir in den Kanton Zug, um die Höllgrotten zu besichtigen. Seine Grotten seien komplett wetterfest, hatte mir der Mann am Telefon zwei Tage zuvor versichert. Und also stiegen wir ab ins Lorzetobel durch den schweren Matschschnee; im Zugerland hatte es geschneit wie blöd. Dann dies: Der Höhlenkiosk war verrammelt, kein Mensch zu sehen. Der Grund wurde uns schnell klar: Umgestürzte Bäume blockierten den kleinen Aufstieg zum Höhleneingang, die Sperrung war verständlich, es ging um die Sicherheit. Was mich aber wirklich ärgerte: Nirgendwo ein Schild. Und auch auf der Homepage kein Wort. Wieder einmal stellte ich fest: Viele touristische Einrichtungen haben das Internet als perfekte Übermittlerin für schnelle Nachrichten und Last-Minute-Botschaften nicht begriffen. Und Kommunizieren ist auch im Tourismus nicht jedermanns Ding.

So ging der Tag weiter: Wir zottelten ins nahe Restaurant Höllgrotten. Dort ass der eine Neffe zwei riesige Hotdogs und der andere Neffe einen riesigen Hotdog und drei riesige Kugeln Glace mit Rahm. Danach stapften wir durch 15 Zentimeter hohen Neuschnee hinauf zum Weiler Hinterburg und traten die Rückreise nach Zürich an. Wir shoppten in der Stadt ein wenig und hatten es im Migrosrestaurant lustig: Die zwei Buben brachten mir den Tschau-Sepp wieder bei, den ich das letzte Mal in der Kindheit gespielt hatte; auch lehrten sie mich Arschlöchle, ein ähnliches Kartenspiel. Wir unterhielten uns bestens, und am Schluss sagten die zwei mir tröstend, ich solle das mit der Höhle nicht so schlimm nehmen. Es sei doch ein lustiger Tag gewesen.

Freitag, 28. April 2017

Altes Freiburg


An der Rue d'or 5, in der Unterstadt, kann man Freiburgs älteste Hausfassade besichtigen; sie datiert aus dem 13. Jahrhundert. Eine archäologische Infotafel zeigt genau, welche Teile der Fassade tatsächlich so weit zurückreichen. Ein (kleiner) Grund mehr, ins Uechtland zu reisen.
Gelb die ältesten Teile der Fassade (linke Hausseite).

Donnerstag, 27. April 2017

Sennhauser blockt

Nein, das ist kein Kantonsarchäologe.
Stuckfigur Karls des Grossen
im Kloster St. Johann in Müstair.
(Wladislaw Sojka/ Wikicommons)
Schon irre. Hans Rudolf Sennhauser, ein Professor im Ruhestand, war zu seinen Aktivzeiten eine Koryphäe auf dem Gebiet mittelalterlicher Schweizer Kirchen und Klöster. Unzählige Ausgrabungen führte er im Auftrag durch, generierte und sammelte Tausende Dokumente zum St. Galler Klosterbezirk, dem Kloster St. Johann in Müstair und über 50 anderen Stätten, es sind Fotos, Pläne, wissenschaftliche Zeichnungen. Jetzt ist er 85 und denkt nicht daran, sein Archiv herauszugeben; stattdessen hat er vor längerer Zeit eine Stiftung lanciert, die es kontrolliert. Konkret lagert die Ware, berichtete die NZZ gestern, in Bad Zurzach in Sennhausers Riegelbau; sie sei, klagen Kantonsarchäologen, weder sachgerecht gelagert noch durch ein Inventar zugänglich. Zudem gebe es keinen angemessenen Schutz gegen Einbruch und Feuer. Nachdem Gespräche über mehrere Jahre nicht zu einer Einigung führten, haben einige Kantonsarchäologen nun gemeinsam bei der eidgenössischen Stiftungsaufsicht Beschwerde eingelegt. Andere Kantone beschreiten den Rechtsweg per Klage. Sennhauser selber nimmt in dem Artikel nicht Stellung.

Mittwoch, 26. April 2017

Intelligente Wandernahrung

Heute nur dies: Studentenfutter kennt jeder. Aber vielleicht müsste man mal die gesteigerte Version mit ins Gelände nehmen: Professorenfutter.

Dienstag, 25. April 2017

Weiler, Fall, Zirkus

Der Weg gibt einem immer etwas, bisweilen erweist er sich dann als besonders grosszügig. So war das am Samstag, als ich im Glarnerland in knapp 2 1/2 Stunden von der Station Luchsingen-Hätzingen via Luchsingen, Adlenbach, Hätzingen, Diesbach und Betschwanden nach Rüti ging - ich wurde reich beschenkt. Die Schwefelquelle von Luchsingen habe ich vorgestern schon behandelt; hier nun drei weitere Dinge, die mich begeisterten.
Luchsingen, Weiler Adlenbach.
Der Diesbachfall.
Die Zelte des Zirkus Mugg an der Linth in Betschwanden.
  1. Luchsingens geschützter Weiler Adlenbach ist herrlich. Ich hatte bis anhin gedacht, dass man im Glarnerland nach Elm reisen muss, wenn man alte Holzhäuser anschauen will. Adlenbach bietet einen ganzen Schübel Holzhäuser, viele aus dem 18. Jahrhundert, einige auch älter. Auf einer gepflästerten Strasse geht man hindurch und ist gebannt und hat immer die Schneekappe des Tödi vor Augen, wenn man südwärts läuft. Wer wissen will, wie das Glarnerland vor der Industrialisierung aussah - voilà.
  2. Bei Diesbach kommt aus der Kärpf-Gegend der Diesbachfall herabgeschossen; es gibt auch die Bezeichnung "Diesbachfälle", da es sich um eine gestufte Angelegenheit handelt. Eindrücklich, wie man den Fall zuerst hört und erst dann sieht, jedenfalls ging es mir so; ein irgendwie maschinelles Rattern in der steilen Waldflanke zeigte ihn an.
  3. Bei Betschwanden erblickte ich schon von weitem eine Serie von Zeltdachspitzen. Seit fünf Jahren haust dort die Zirkusfamilie Mugg. Es gibt Zauber- und Clownvorstellungen und Ferien-Veranstaltungen für Kinder, auch mieten Firmen die Anlage für interne Anlässe. Mittlerweile ist der Zirkus Mugg ein wichtiger Arbeitgeber im hinteren Glarnerland, dem es wirtschaftlich nicht besonders geht.

Montag, 24. April 2017

Gratis Trybol für die Landesregierung

Dieser Eintrag ist ein Beziehungsdelikt, jawohl. Jost auf der Maur war erstens mein Redaktionskollege damals beim Facts; freilich war er dort bereits der bekannte, preisgekrönte Reporter und ich einer der Neulinge, ein Literaturredaktor. Zweitens zog Jost irgendwann weiter und landete schliesslich bei der Schweizer Familie - wohin ich auch bald wechsle. Und drittens publiziert Jost im Echtzeit Verlag wie ich; die Verleger Wendelin Hess und Markus Schneider sind zwei alte Kollegen von uns beiden. Ja, da ist viel Nähe, auch wenn ich Jost seit Jahren eigentlich nur in irgendeinem Tamedia-Gang sehe. Kürzlich nun ging mir vom gemeinsamen Verlag Josts neues Buch zu, "Die Schweiz unter Tag". Es widmet sich hiesigen Tunnels, Kavernen, Schutzräumen, Bunkern und Stollen, die aneinandergereiht eine Röhre von Zürich bis Teheran ergäben; im Graben und Bohren sind wir Schweizer weltweit führend. Die Sammlung von Reportagen macht mir wieder einmal klar, was für ein herausragender Schreiber Jost ist. Ich empfehle sie wärmstens allen; man lernt so einiges über die Unter-Tag-Schweiz, geniesst die Sprache, die elegant, doch nie eitel ist, amüsiert sich bestens über die Art, wie Figuren und Orte präsentiert werden. Hier drei Faktenmüsterli aus dem Kapitel über den ersten Bundesratsbunker bei Amsteg, der im Zweiten Weltkrieg gebaut wurde:
  • Schlafzimmer gab es in drei Klassen: Dienstpersonal (mehrere Kajüten-Betten), Beamte (Zweierzimmer), Bundesrat (Einzelzimmer, mit gesponsertem Mundwasser Trybol).
  • Ein Experte warnte, dass die Stehlampen auf den Nachttischen in den Zimmern der Bundesräte alt, schlecht isoliert und daher lebensgefährlich seien; die Magistraten riskierten, an einem Stromschlag zu sterben. Die Lampen waren wie überhaupt ein Gutteil des Mobiliars, der Teppiche und des Geschirrs aus dem Hotel "Stern und Post" in Amsteg übernommen worden. Der zuständige Bundesrat hatte Steuergelder sparen wollen.
  • Witzige Personalie: Wachtmeister Fritz Reischer, erster Kavernenwart, bot aus freien Stücken an, im angrenzenden Tresorraum der Nationalbank neben dem Geld zu schlafen. Bald stellte sich heraus, dass seine Geliebte der Polizei bekannt war wegen Betrugs und Schmuckdiebstahls. Gegen Reischer gab es 18 Betreibungen, auch war er hochverschuldet. Und also war er wohl nicht der ideale Wachmann zur Sicherung von Währungsreserven. Man entliess ihn.
P.S. Morgen folgt der Eintrag über meine schöne Glarner Wanderung.

Sonntag, 23. April 2017

Beim balneum Luchsingense

Die Schwefelquelle von Luchsingen. Rechts die Tassen für jedermann.
Vorfreudig machendes Schild auf halbem Weg.
Von der Station Luchsingen-Hätzingen hinten im Glarner Grosstal zwischen Schwanden und Linthal geht man hinauf zur Talstation der Brunnenberg-Seilbahn und findet spätestens dort einen der braunen Wegweiser: "Schwefelquelle". Noch einmal eine Viertelstunde auf dem Bergweg, der in diesem Abschnitt eine zwar steile, aber bequeme und breite gekieste Waldpiste ist, dann ist man da. Zur Linken der Bösbächibach und zur Rechten ein Unterstand aus Holz mit Grillstelle sowie die Quelle, die übrigens  auch eine Heilquelle ist; das Wasser, das in der verschatteten Ecke aus dem mit einem Gitter verschlossenen Bergschlitz plätschert und faulig nach gekochten Eiern riecht, Schwefel eben - es enthält auch Glaubersalz. Schon 1542 wurde an diesem Ort gebadet, das ist urkundlich belegt, es gab ein kleines Badstübchen, das allerdings von einer Lawine weggefegt wurde; später badete man weiter unten. Es waren einfache Leute, die kamen, die hablichen Herren und Damen des Landes reisten nach Pfäfers oder auch Baden, um ihre Zipperlein zu kurieren. Im 19. Jahrhundert war Schluss mit dem "balneum Luchsingense", wie das Bad in den lateinischen Schriften hiess. Natürlich nahm ich einen kräftigen Schluck aus der Quelle, Gesundheit kann man immer brauchen; genau aus diesem Grund verzichtete ich auf die Benutzung der Tassen vor Ort und fing das Wasser mit der Hand. So war das gestern; was ich bei prachtvollem Wetter im Glarnerland sonst noch so erlebte - davon bald mehr.
Als ich zur Quelle stieg, schwebte vom Brunnenberg grad die Seilbahn nieder.

Samstag, 22. April 2017

Winterthurs Wunderbrücke

Ihm fehlt noch ein interessanter Park: das Technorama
Winterthur. (Roland zh/ Wikicommons)
Das Technorama Winterthur zog letztes Jahr mehr als 280 000 Besucherinnen und Besucher an, das ist recht beachtlich. Einziges Problem des Museums mit 500 wissenschafllichen Exponaten und Tüftel-Stationen: Die Leute kommen nur, wenn es regnet. Nun will das Technorama sein Draussen aufwerten, es plant Attraktionen im Aussenbereich. Im Zentrum der Neuerungen steht die sogenannte Wunderbrücke, 130 Meter lang, gut 15 Meter über Grund, mit einer Experimente-Plattform ausgestattet. Das Projekt kostet 15 Millionen Franken, Baubeginn ist Ende des nächsten Jahres, auf 2021 ist die Eröffnung geplant.